Brütal Rock Lawsuit

hexenverbrennung
Bild: Johann Jakob Wick, Quelle: Wikipedia
Ich bin ja eher so der praktische Mensch, also praktisch in der Theorie. Soll heißen: Ich mache Dinge nicht, sondern denke über Dinge nach, die gemacht werden, denke aber nicht über Dinge nach, die gemacht werden könnten. Das klingt jetzt alles viel komplizierter als es wirklich ist und sollte mal von einem Psychologen erörtert werden, was hier aber nicht geschehen wird, denn eigentlich ist der komplizierte Text ja nur die Einleitung zu einem ganz einfachen Text über Rechtsverdreherei und ich wollte damit nur sagen, dass ich nicht viel von Rechtsverdreherei verstehe.

Für mich sieht dieses ganze Vertragskonstrukt in der Spieleindustrie so aus: Da gibts den Entwickler mit der coolen Idee aber ohne Geld. Der Entwickler geht beim Publisher betteln ob er ihm Geld vorstreckt und ihm dafür den Gewinn am zukünftigen Spiel, die Jungfräulichkeit der erstgeborenen Töchter der Entwickler und deren Seelen1 überlässt. Ein bisschen blöder wirds da wegen Dingen wie Software-Patenten und noch blöder wirds dann mit richtigen, echte Patenten.

Ein wenig kurios fand ich mit dieser Vorstellung den Fall Brütal Legend. Das ist von Double Fine (Entwickler) und wurde früher mal finanziert von Vivendi. Vivendi hat dann aber Activision gekauft2 und sich gedacht: “Janein, das brauchen wir nicht mehr, husch, weg mit euch!” und hat Double Fine mit dem Besen rausgeprügelt. Double Fine wollte aber angesprochene coole Idee nicht einfach verwerfen und Töchter und Seelen hatten deren Entwickler ja sowieso nie gehabt und ging deswegen auf die Suche nach einem neuen Publisher. Und weil EA in letzter Zeit ja nicht nur Battlefield Fifa: Underground 2009 sondern wirklich neue Sachen finanziert haben die dann gesagt “Double Fine, bei uns kriegt ihr ein Haus, ein kunterbuntes Haus, einen Schreibtisch und Geld so viel ihr verbraten könnt!”, was natürlich kein schlechtes Angebot war.

Jetzt kommt aber Vivendi Activision Blizzard um die Ecke3 und behauptet, Brütal Legend darf gar nicht unter der Fuchtel von EA weiterentwickelt werden, weil sie da viel zu viel Geld reingeblasen haben und deswegen das Spiel eigentlich ihnen gehört. So wie ich die Sache sehe hat aber Vivendi Activision Blizzard den Vertrag mit Double Fine gekündigt und somit nicht nur den Geldhahn zugedreht sondern alle Ansprüche auf Spiele, Töchter und Seelen verwirkt und das alles machen die nur, weil die Einnahmen aus World Of Warcraft4 nur reichen um für 97% der Entwickler ein goldenes Schwimmbecken mit Haien mit Lasern auf den Köpfen darin zu bauen.

Wegen fehlender WOW-ähnlicher GoldGeld-Fontänen nicht ganz so peinlich, aber etwas konfus ist hingegen die Akte Gitarrenspiele. Ich versuche das ganze chronologisch zu ordnen, damit man durch das Vertragskuddelmuddel mit Patenten als Bonustrack überhaupt noch durchsteigt: Irgendwann einmal hat Gibson, der große Gitarrenhersteller, ein Patent angemeldet auf Spielecontroller in Gitarrenform, haben aber nie etwas daraus gemacht. Später hat dann Konami Spielautomaten mit Gitarren als Controller aufgestellt. Harmonix fand das toll und entwickelte unter der Fuchte von Activision5 Guitar Hero, was eigentlich genau das Selbe ist, behauptete aber, sie hätten sich mit Konami geeinigt und dürften das. Dann hatte Harmonix irgendwann keinen Bock mehr auf Activision und wechselte zu EA6, woraufhin Activision Neversoft anstellte, um Guitar Hero weiterzuentwickeln.

Dann hat Gibson mit Verklagen angefangen und verklagte sowohl die Gruppe “Guitar Hero” mit Activision Activision Blizzard und Neversoft als auch den Feind “Rock Band” mit EA und Harmonix. Munter weiter machte Konami und verklagte Harmonix, weil der Gitarrencontrollerdeal ja nur für Guitar Hero, nicht aber für Rock Band galt. Richtig witzig trieb es dann aber Harmonix-Besitzer Viacom, die einfach mal gegen Konami zurückklagten, weil das von ihnen für Rock Band entwickelte7 Spielprinzip von Konami in Rock Revolution kopiert wurde. Graphisch sieht das ganze so aus: verklagung1
EA steht stellvertretend für EA, Harmonix und Viacom, Activision Blizzard steht stellvertretend für Activision Blizzard und Neversoft.

Bei mir bleibt ein großes Fragezeichen. Kann mir mal jemand erklären wer in diesen beiden Rechtsstreits warum Recht hat?

  1. Die der Entwickler, nicht die der Töchter.
  2. Und heißt seitdem ja gar nicht mehr Vivendi.
  3. Mit ihrem Verdorbenen Anwalt der Stärke +78
  4. War da nicht mal was mit 50% Marge, also runde 6€ Gewinn pro Abonnent?
  5. Ja, schon wieder die!
  6. Jaja, es sind eben immer die selben Pappenheimer.
  7. Laut Konami illegal, um das nochmal zu erwähnen.

3 Kommentare

Großartig Deinerseits (der Artikel)…
Wie immer bescheuert (das worum es geht)… Diese Entwickler: Alle in einen Sack und…

Dieser Artikel war wirklich der Kracher :D Ich musst mich beim Lesen wirklich mehrere Male kaputtlachen, weil die Formulierungen und Anspielungen so gelungen und witzig sind. Am besten die Austin-Powers-Anspielung mit den Laserkopf-Haien :D Einfach nur köstlich :)
Zu dem Fall kann ich dir leider auch keinen Aufschluss geben, da ich eigentlich nur so viel verstanden habe wie du erklärt hast. Vor allem verstehe ich nicht aus welchen Gründen Gibson die beiden anderen Firmen verklagt hat?!? Alles komisch…

Danke für die Blumen :-)

Im Fall Brütal Legend gibt es jetzt ja Neuigkeiten: Die haben sich außergerichtlich geeinigt, also entweder zahlt Double Fine an ActiBlizz oder sie haben ein paar Frauen verhökert. Oder irgendwie ganz anders. Jedenfalls wurde die Sache beigelegt.

Du willst es doch auch!