Controller schmecken scheiße

In der Reihe “Meine Meinung zu Spielen, die sowas von letztes Jahr sind, dass ich auf der ganzen Welt der einzige Mensch bin der sie noch nicht gespielt hat, weswegen das hier keine Sau lesen will” – was, zugegebenermaßen, ein beknackter Name für eine Reihe ist, weswegen es auch keine solche gibt und sie nur als imaginäre Reihe betrachtet werden sollte – folgt nun, gespickt von Schachtelsätzen, die durch eine Grammatik und eine Zeichensetzung, die durch jahrelangen Internetkonsum total zerstört wurden, total unleserlich sind, die aber so wahnsinnig schachtelsatzig sind, dass ein einziger Satz genügt um den Teaser zu füllen, ein Bericht über ein Spiel mit ganz wenigen bunten Farben, viel Rumgehüpfe und der Feststellung, dass ein handelsüblicher Controller für die Xbox 360 eher bescheiden schmeckt und Bissspuren auch eher uncool sind: Mirrors Edge.
Ich war total verliebt in Mirrors Edge, als ich es das erste Mal sah: Da war ganz viel Weiß auf dem Monitor, durchzogen von sattem Rot und Blau, mit einem klitzekleinen Fleck Schwarz, damit man wenigstens ein paar Konturen sieht. Da war endlich mal ein Spielprinip, das weder Hüpfspiel noch Taktikshooter ist, sondern irgendwie beides und irgendwie auch wieder keines davon, sondern etwas eigenständiges. Und da war der Name Rhianna Pratchett, die nicht nur die Autorin von Overlord, sondern nebenberuflich auch die Tochter von Terry Pratchett, dem besten Fantasyautoren unserer Zeit ist. Wer jetzt sagen will dass Stephenie Meyer besser ist: Go fuck yourself, glitzernde Vampire die ihre Freundin wie ein Schnitzel behandeln sind nie, unter gar keinen Umständen, auch in keinem Paralleluniversum oder auf Melmac in irgendeiner Art und Weise gut und ihr seid alles nur verblendete Wichser die sich dem Medienhype hingeben und diese beknackten Bücher fressen als wären sie eine Offenbarung. Entschuldigt dass ich abgeschweift bin, ich hasse Twilight wirklich. Ganz doll arg viel.
Doch das Spiel erschien, die Jahre zogen ins Land, ich wurde älter und ich kaufte es nicht. Ich verschlang die Demo geradezu, ich war wahnsinnig bespaßt davon, doch irgendwie… fühlte es sich falsch an. Wollte ich mein Geld wirklich dafür ausgeben, eine virtuelle Figur zu spielen, die eigentlich nichts anderes tut als Rumrennen? Noch dazu zu 90% linear von A nach B über die vorgegebenen Punkte C, D und E? Nein, ich glaubte nicht. Verstärkt wurde der Eindruck dadurch, dass sich absolut niemand das Spiel gekauft hat und meine Meinung bestätigte und sagte, dass das Spiel ganz nett sei. Ganz nett hat ja nun leider gar nichts mit aus den Latschen Kippen, vom Hocker Hauen, Zeigen wo der Frosch die Locken hat oder anderne Floskeln zu tun, sondern ist das Supertalent, ist Richterin Barbara Salesch, ist Upps! Die Pannenshow, ist das, was man tut, wenn man wirklich nichts besseres mit seiner Zeit anzufangen weiß, weil es einen eben nicht direkt zum Kotzen bringt, oder eben kurz: Ganz nett.
Als ich es dann in einem Anflug von Reichtumgsphantasien mal eben so bei unserem Lieblingsauktionshaus gekauft habe, war ich enttäuscht. Oder nein: War ich nicht. Obwohl: Doch. Wartet, nein! Ach verdammt! Ich hasse Mirrors Edge, weil es technisch absolut beschissen ist. Ich habe selten so stufige Schatten über den Boden huschen sehen, noch kein Spiel hat in mir so sehr den Wunsch geweckt endlich die Schutzfolie von den NPC-Actionfiguren entfernen wollen. Ich liebe Mirrors Edge für seinen eigenständigen Look, diese blendend weiße, klinisch reine Stadt über deren Dächern ich schwebe. Ich hasse Mirrors Edge für diese absolut langweiligen Tunnelpassagen, die nicht nur beschissen aussehen sondern auch den Stil-Joker damit verschenken, eben stinknormale, rostigbraune Tunnelpassagen zu sein. Ich liebe Mirrors Edge für das Gerenne über Dächer, diese Geschwindigkeit die einem vermittelt wird, das Abverlangen der Fähigkeit in Sekundenbruchteilen zu entscheiden, welche Tasten in welcher Reihenfolge gedrückt werden müssen, damit man nicht von der Kante purzelt oder erschossen wird, ohne den Spieler dabei zu zwingen, selbst zur Waffe zu greifen. Ich hasse Mirrors Edge für die ewig weit außeinanderliegenden Speicherpunkte und die Stellen, an denen einem absolut nicht klar ist, was man tun soll, weil beides Unmengen Geschwindigkeit aus diesem schnellen Spiel nimmt und ich hasse die hanebüchene Verschwörungsstory, in die ich so viele Hoffnungen gesetzt habe. Und ich liebe Mirrors Edge absolut dafür, dass ich stundenlang die selbe Passage ausprobieren kann, um die perfekte Kombination aus Sprüngen und Rutschern zu finden.
Mirrors Edge ist ebensowenig eine Offenbarung wie diese beknackten Glitzervampirbücher. Mirrors Edge setzt etwas neues und tolles sehr mittelmäßig um. An Mirrors Edge kann sich der Sadist festbeißen und dann am Ende über die beschissene Grafik kotzen. Mirrors Edge ist eben: Ganz nett.

3 Kommentare
Jay
10. November 2009
16:26
ja ganz nett.
was ich auch störend fand:
wen man will, kann man auch also rambo durch die gegend rennen und alle abknallen….. hat viel kaputt gemacht fand ich
Jonas
11. November 2009
10:07
Mirror’s Edge ist Hardcore und verdammt Retro. Es erinnert mich stark an alte, rotzeschwere Jump’n'Runs wie Rick Dangerous. Nur, dass man nicht immer am Anfang des Levels oder Spiels anfangen muss wenn man ein paar Leben verloren hat. Insofern ist es eigentlich doch viel leichter als die Spiele früher.
Mirror’s Edge macht etwas anders als viele Spiele heute: es gibt nicht jedem Depp, der den Controller in die Hand nimmt das Gefühl der Superheld in dem Spiel zu sein. Es hat eine Lernkurve, und zwar eine verdammt flache. Ich hab inzwischen das Gefühl, wenn heutzutage jemand bei einem Spiel länger als zwei Versuche an einer Stelle hängt wird das Spiel in die Ecke geworfen und mit “Schwierigkeitsgrad zu hoch, haben die Deppen das nicht gebalanced?!” abgestraft. Haben heute Spieler noch die Bereitschaft sich auf ein Spiel einzulassen, in ihm besser zu werden? So dass ein Spieler, der ein Spiel 6 Wochen gespielt hat wirklich besser ist als einer, der es gerade 2 Stunden angespielt hat. Mirror’s Edge traut sich, bockschwer zu sein an einigen Stellen und dem Spieler echte Lernprozesse abzufordern.
Ich habe nach dem Durchspielen den Time Trial und Speedrun Modus ausprobiert, und zum allerersten Mal bei einem Spiel lade ich Ghosts von anderen runter und versuche stundenlang meine Runs durch die Levels zu perfektionieren um noch ein paar Sekunden rauszuholen. Ich bin von ME beeindruckt, weil kein anderes Spiel das geschafft hat.
Zur Grafik: wenn du bei Gran Turismo HD anhältst und die Grafik rundrum betrachtest merkst du auch dass nur Pappkameraden herumstehen und sie doch nicht so gut aufgelöst ist. Aber das ist ja auch kein Wunder, denn sie ist nicht dafür gemacht, dass du stehenbleibst und Zeit hast sie zu betrachten. Genau wie bei ME. Es hat schon einen Grund, dass dort viel Blur und Tiefenschärfeeffekte eingesetzt werden – die Grafik ist dafür gedacht beim Rennen nebenher wahrgenommen zu werden. ;)
@Jay
Ja, man kann alles abknallen. Man hätte den Spieler auch dazu zwingen können nichts abknallen zu können. Aber ich find es viel besser, wenn die Entscheidung einzig und allein beim Spieler liegt. Mich hat die Trophy dazu gebracht das ganze Spiel ohne einen einzigen Schuss auf Menschen durchzuspielen.
Pascal
11. November 2009
11:12
Ja, damit, dass die Grafik fürs Vorbeirennen gemacht ist hast du natürlich Recht. Ich find den Stil mit dem Blur und der Unschärfe auch richtig toll, aber wenn ich in Zwischensequenzen irgendwelchen Chars zukucken muss sollten die auch gut aussehen. Und wenn ich wirklich in einem langsamen Moment an Brushes aus 6 Polygonen vorbeikomme, die vor zehn Jahren detailierter ausgesehen hätte, dann kriege ich das Kotzen.
Spiele werden durch eine gute Grafik nicht besser, aber durch eine schlechte Grafik schlechter. Ebenso bei der Steuerung, die bei ME zum Glück toll ist.