Die Schönheit des Tötens


Die meisten Spiele tangieren einen eher peripher. Man spielt sie manchmal sehr gerne, vergisst auch gerne mal vieles um einen herum, aber sie bleiben doch immer nur ein Spiel. Manchen Spielen aber gelingt es, dass sie uns so sehr in ihre Welt ziehen, dass wir uns total darin befinden und wir so spielen, als wären wir wirklich da, als wäre es nicht nur ein Teil unseres Lebens, sondern unser Leben selbst. Das hat bei mir schon lange kein Spiel mehr geschafft, aber faszinierenderweise gelingt es gerade einem Spiel, das nichtmal versucht uns vorzutäuschen, es sei die Wirklichkeit, sondern es zum Teil des Spieles macht, dass wir eine Simulation erleben. Vielleicht fällt es mir auch gerade deswegen so leicht, mich auf das Spiel einzulassen, es konfrontiert mich praktisch ständig damit, dass ich mich gerade nicht in der Realität befinde, sondern in etwas, das mehr ist als ein Traum, aber eben doch nicht echt. Die Rede ist natürlich vom Animus, das Spiel ist Assassin’s Creed II.

Noch schwerwiegender ist die Tatsache, dass die Identifikation nicht einmal mit der Figur des Ezio Auditore da Firenze stattfindet. Die Handlung des Spieles geht sogar weitestgehend an mir vorbei. Es ist mehr das Konzept, das mich anzieht, die Idee, nicht nur der tödlichste Mörder der Welt zu sein, sondern auch Teil eines Geheimbundes, der das Töten zu mehr macht als Handwerk, zur Kunst. Die Auftragsattentate, die es zu erledigen gibt, finde ich unendlichfach spannender als der Handlung zu folgen. Es gibt nur mich, ein Ziel, eine riesige Welt und so viele Möglichkeiten, den Auftrag zu einem Ende zu bringen. Kann ich die offene Konfrontation suchen und mit blitzender Klinge auf die Feinde einstürmen? Sollte ich mich über die Dächer schleichen und mit einem gezielten Stoß auf das Ziel herabstürzen? Brauche ich ein Ablenkungsmanöver? Ich wähle nicht den schnellsten Weg. Ich wähle den elegantesten Weg. Ich beobachte und plane. Ich will dem Titel Assassine gerecht werden.

Man kann über das Spiel sagen was man möchte, es wird für immer in meinem Herz bleiben. Weil es geschafft hat, dass ich das Spiel nicht nur erlebe, sondern lebe.

4 Kommentare

So wie du das beschreibst ist der zweite Teil von AC genau so, wie der erste nicht war. Jeder Mord war gleich, so dass es nach einer Weile einfach langweilig gewesen ist. Und nachdem ich zum hundertsten Mal auf einen *********** Turm geklettert bin, damit der Typ die Aussicht genießen kann, habe ich frustriert aufgehört zu spielen. Abwechslung sieht anders aus.

Aber die Kunst im Töten war auch schon im ersten Teil da. Nur eben eintönig und nicht, wie du es beschreibst, auf verschiedenen Wegen.

Bei mir darfst du ruhig ficken, Kacke und Fotze sagen, keine falsche Scheu!

Den ersten Teil hab ich nicht gespielt, weil du nicht der einzige bist, der das Spiel so beschreibt. Mit der Turmkletterei hatte ich auch einmal ein ernstes Problem: In einer Mission muss man auf einen sehr, sehr hohen Turm klettern um oben jemanden zu töten. Drei Mal(!!!) hat von oben der Leap of Faith nicht geklappt (weil der immer nur dann funktioniert, wenn man ihn nicht braucht) und ich musst von Vorne anfangen, weil ich ungebremst von diesem verfickten Kackfotzenturm runterfiel! Da hätte ich es fast in die Ecke geknallt und nicht mehr gespielt, zum Glück hab ich doch noch weitergemacht.

So isses mir vor kurzem immer bei GTA IV gegangen: Ich wurde zu nem Auftragsmord im anderen Ende der Stadt geschickt und bin da immer mit einem schicken Sportauto hingedüst. Und viermal hintereinander bin ich bei dieser verkackten ewig langen Autofahrt gestorben^^. Danach hab ich ein Moped genommen – hat noch viel länger gedauert, aber ich habs wenigstens überlebt.


shadowhorst
27. August 2010
19:11

Kann dir nur zustimmen. Hole AC2 ja auch gerade nach und stelle fest, dass Teil 2 alles richtig macht, was im ersten Part versprochen aber nicht eingehalten wurde. Müsst ich nicht ständig aufhören, weil mich mein schlechtes Gewissen plagt (Klausur), spräche ich wohl schon fließend italienisch ;D

Gruß,
Robert

Du willst es doch auch!