Ein total objektiver Beitrag zur Killerspieldebatte
Ja, ich gebe es zu: Spieler reagieren manchmal ein wenig, nun, säuerlich wenn man ihnen ihre Rassel wegnehmen will. Was ja auch verständlich ist, das hat evolutionäre Gründe, früher waren es halt Wasserlöcher und Frauen und Mammutfleisch. Ihr wärt ja auch böse wenn man euch etwas wegnehmen wollen würde, was euch Spaß macht. Eure ausgedruckten Internetseiten oder was ihr halt in eurer Freizeit so macht. Golf spielen. Oder Fliegenfischen. Was weiß ich. Jedenfalls muss euch allen jetzt ja mal ganz ehrlich was sagen. Euch besorgten Eltern die ihr euch jeden Abend in den Schlaf weint, weil eure Kinder böse Amokläufer werden wenn ihr sie nicht bald von den Spielen loskriegt. Euch Innenministern, die ihr diesen ganzen Schund verbieten wollt. Euch Lesern von Zeitungen mit vier großen Buchstaben, die ihr einfach alles fresst mit dem man euch füttert ohne darüber nachzudenken. Ich muss euch sagen: Ihr habt Recht.
Ja, ihr habt Recht. Ehrlich jetzt. Es gibt drölftausend Studien die das beweisen. Immer wieder drehen Menschen durch weil sie mit Bildern von Gewalt bestrahlt werden und, schlimmer noch, an diesen Bildern von Gewalt teilnehmen. Killerspiele eben. Es gibt Leute die in virtuellen Welten versinken und versumpfen, die nie wieder daraus hervorkommen, die Freunde verlieren, deren Familien sich von ihnen abwenden, die irgendwann vor dem Trümmerhaufen ihres Lebens stehen und denken “FUCK!” und sich dann das Leben nehmen. Spiele zerstören Leben, Spiele erschaffen Leben die andere Leben zerstören, Spiele erschaffen Leben die andere Leben und dann sich selbst zerstören.
Es gibt drölftausendundeine Studie, die das Gegenteil beweisen. Tausende von Menschen baden im virtuellen Blut ihrer Feinde ohne durchzudrehen. Diese Menschen machen Abitur, brechen ein BWL-Studium ab und machen eine Bankkaufmannslehre. Millionen Menschen treffen sich am einen Abend mit ihren Freunden im Internet um sich gegenseitig zu töten, sich zu peinigen, darüber zu lachen dass dem Gegenüber gerade Leid widerfahren ist um sich am Abend danach in einer Kneipe mit ihnen zu treffen, Bier zu trinken und sich darüber zu freuen. Wir haben Recht.
Und jetzt müssen wir warten bis einer von uns mehr Recht hat als der Andere, bis einer von uns es wirklich allumfassend beweisen kann, dann können wir weiterreden. Das wird aber nicht passieren, wir wissen gerade mal ganz grob wie ein Mensch überhaupt funktioniert, davon zu wissen welchen Einfluss rote Farbe hinter einer Monitorscheibe auf uns hat sind wir Äonen entfernt. Bis dahin, und das heißt bis in alle Ewigkeit, müssen wir miteinander leben können, wir müssen Kompromisse finden, mit denen jeder leben kann, ohne sich all zu arg gestört zu fühlen.
Diese Kompromisse haben wir bereits gefunden. Diese Kompromisse heißen Jugendschutz und Indizierung und Beschlagnahmung. Diese Kompromisse lassen keine all zu bösen Spiele in Kinderhände und diese Kompromisse sorgen dafür, dass der wirkliche Schund von niemandem gespielt werden kann. Und damit konnten wir alle leben, alle waren mehr oder weniger zufrieden, bis ihr es übertrieben habt. Bis ihr keine Kompromisse mehr wolltet, sondern Verteufelung und Hass. Bis ihr angefangen habt, uns unsere Rassel wegnehmen zu wollen.
Ihr seid an der Reihe euch zu entschuldigen. Wir nicht.

3 Kommentare
Sascha
19. Oktober 2009
12:42
Hm einerseits hast du mit deinem Artikel recht. Beide Seiten sollten sich gegenseitig akzeptieren. Zur Akzeptanz gehört für mich jedoch nicht die Indizierung der besonders “bösen” Spiele, sondern der Sticker “Ohne Jugendfreigabe” und die Kontrolle der Eltern, was ihre Kinder spielen. Und ja, es gibt Möglichkeiten, dies durchzusetzen. Die Indizierung ist nur der leichteste Weg, nicht der Beste.
Aufklärung und Überwachung der Kinder durch die Eltern und das Schulsystem. Sowie die Aufklärung der Eltern durch die Branche.
Lasst uns Erwachsenen unsere Spiele, ihr Eltern dürft euern Kindern gerne jedes Spiel verbieten, aber ich als Erwachsener darf doch wohl selbst entscheiden, was gut für mich ist.
Pascal
19. Oktober 2009
13:01
Ja, mir persönlich wäre es auch lieber wenn “Keine Jugendfreigabe” und Indizierungen zu was neuem zusammenfallen würden, weil das bei uns doch einige seltsame Nebeneffekte hat. Ich würde z.B. sehr gerne die DLCs von GOW2 haben, doch, eigentlich schon.
Ansonsten bin ich voll und ganz bei dir. Was ich eigentlich noch verbloggen wollte (und vielleicht auch noch tue, seht das hier also als Teaser): Mein Nachbarskind (11 Jahre oder so) hat mir am Donnerstag Brütal Legend (Wir erinnern uns: Ab 18) übergeben, das geliefert wurde, als niemand da war. Amazon hat einen Fehler gemacht, wodurch es der Postbotin möglich war, das Paket ohne Personalausweiskontrolle zu übergeben, obwohl groß und breit “Identitäts- und Altersnachweis” vornedrauf steht. Aus Faulheit, damit sie keinen Stress mehr mit dem Paket hat. Ich habe mich darüber beschwert und hoffe, dass der Postbotin jetzt Konsequenzen drohen, denn sowas darf es einfach nicht geben. Und das obwohl ich dadurch das Spiel einen Abend früher hatte. Es geht einfach nicht an dass wir uns auf diese Art über den wichtigen und funktionierenden Jugendschutz hinwegsetzen.
Jonas
11. November 2009
10:18
Ich habe mich schon oft gefragt, ob die Reaktionen in den Medien ähnlich wären, wenn es keine Computerspiele (mehr) gäbe. Eine mögliche Antwort gibt es in diesem Telepolis-Artikel über den ersten dokumentierten “Amoklauf” in Deutschland 1913…
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31343/1.html