Ersteindruck: Scribblenauts

Ich hab mich wie Bolle auf Scribblenauts gefreut. Scribblenauts war das Spiel, wegen dem ich ein Nintendo DS wollte. Scribblenauts, das war das Spiel, das die Phantasie des Spielers in den Vordergrund rücken sollte, indem es ihm abverlangt, sich gefälligst selbst zu überlegen wie er einen Level lösen kann, statt ihm alles vorzukauen. Scribblenauts ist praktisch ein klassisches Point’n'Click-Adventure mit dem Ansatz, dass der Spieler sich sein Inventar selbst erstellt, denn mit einem Jump’n'Run hat Scribblenauts herzlich wenig zu tun. Dazu gehört es ja irgendwie, dass man Rennen kann und… naja… springen eben. Der Protagonist, Maxwell, bewegt sich aber von ganz alleine, wenn man einen Punkt auf dem Touchscreen antippt. Womit wir schon bei der ersten Enttäuschung wären: Der verkorksten Steuerung.

Seit Anbeginn der Menschheit werden Steuerkreuze dazu benutzt, Alter Egos durch Spielwelten zu schubsen. Weil es funktioniert. Warum müsst ihr da zwanghaft versuchen etwas anderes zu machen? Warum muss ich total ungenau auf irgendeinen Punkt in der Landschaft klicken und hoffen, dass Maxwell den richtigen Weg findet, ohne zwischendurch von einem Bären gefressen oder von einem Nachtwächter niedergeknüppelt zu werden? Die Belegung des Steuerkreuzes, das Verschieben der Ansicht durch die Welt, wäre noch ganz brauchbar, wenn die Kamera nicht quasi sofort auf Maxwell zurückspringen würde. Gegenstände woanders hinschreiben und genau platzieren ist nur schwer möglich, weil man die Kamera ständig in Bewegung halten muss um das Zurücksetzen zu vermeiden. Und sowieso, die Gegenstände: Es ist ein Krampf sie zu verschieben. Das kommt auch von der indirekten Steuerung von Maxwell. Wenn man versucht einen fitzelig kleinen Stein oder ein Seil zu bewegen passiert es ständig dass man einen Millimeter daneben tippt und Maxwell sofort hinrennt, bevorzugt in die Arme eines Zombiehuhns, welches ihn dann genüsslich verspeist. Von der gleichzeitigen Benutzung des Steuerkreuzes, des Stylus und beider Schultertasten will ich gar nicht erst anfangen.

Auch von der Steuerung abgesehen schlummern einige schlechte Beispiele, die man in Zukunft besonders bei Lokalisationskursen sehr gut anbringen kann. Es war wohl nicht möglich eine deutsche QWERTZ-Tastatur einzubauen, weswegen wir uns eben mit der amerikanischen QWERTY-Tastatur begnügen müssen. Auf der sucht man Umlaute natürlich vergebens. Aber das macht nichts: Die kann man eh nicht benutzen, selbst wenn man den Buchstaben selbst schreibt. Wenn man einen Rasenmäher braucht kann man nur Rasenmaher eingeben und hoffen, dass die automatische Korrektur weiß, was man von ihr will. Total nett finde ich auch das Bemühen, wirklich nur deutsche Begriffe zu verwenden. Nett, aber nicht gut. Es gibt kein Jetpack, denn das ist ein böser kapitalistischer Begriff aus dem Westen, wir müssen uns einen Raketenrucksack schreiben. Weiß jemand wo ich meine Railgun herkriege, die auf Englisch funktioniert? Ach ja: Eine Maus im Sinne von Tier konnte ich auch nicht herzaubern, weil es den Begriff nicht kennt und mit einer Computermaus konnte ich gerade herzlich wenig anfangen. Wenigstens konnte ich weit genug denken es mit “Ratte” zu probieren. Ach ja: Die Aufforderung “Score!” mit “Punktzahl!” statt mit “Punkte!”1 oder ähnlichem zu übersetzen schreit nach unterbezahltem, indischem Lokalisierungsteam, dessen Deutschkentnisse lediglich aus einem Duden bestehen.

Scribblenauts, ich will dir nicht weh tun. Vielleicht wirst du ja noch ganz toll wenn ich mich an die Steuerung und die Tücken der deutschen Sprache gewöhnt habe. Deswegen steht dort oben auch “Ersteindruck” und nicht “Test”. Ich will dich ganz durchspielen, denn du hast eine so tolle Idee, eine so herrliche Grafik, du machst so wahnsinnig viel Spaß wenn du mich gerade mal nicht enttäuschst. Vielleicht muss ich meine Meinung noch revidieren und dich zum besten Spiel des Jahrtausends ernennen. So wie es im Moment aussieht werden wir aber keine Freunde.

  1. Ja, “Punkte” ist ein Verb im Imperativ, bevor jemand fragt.

Du willst es doch auch!