Faszination FarmVille

Man will ja doch dazugehören. Deswegen probiert man jeden, wirklich jeden Scheiß aus. Anders wäre ich niemals auch nur zu Facebook gekommen und schon gar nicht zu der Sau, die gerade da durch getrieben wird. Unmengen Leute spielen FarmVille, man muss die Menschen die es nicht spielen schon fast suchen. Wikipedia sagt 50 Millionen Menschen spielen FarmVille. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, ungefähr so viele Leute treiben sich in Spanien rum, wenn man alle deutschen Touristen mitzählt. Irgendwas muss also dran sein an dem Zeug und als heldenhafter Blogger wagte ich natürlich den Selbstversuch und startete FarmVille und fand es genauso doof, wie ich es mir gedacht hatte. Aber first things first, wie der verwirrte Franzose sagt.

Der Name FarmVille ist total irreleitend: Es geht zwar um Bauernhöfe, nicht aber um Dörfer. Man erstellt sich einen Avatar in Form eines Bäuerchens oder einers Bäuerinchens und wuselt damit über die Farm in Iso-Perspektive und macht halt so Zeug, was man als Bauer tut: Felder pflügen und Samen streuen. Und Bäume pflanzen und Kühe… äh… erschaffen, vermute ich. Und dann beginnt man von vorne, indem man seine Erzeugnisse verkauft und von dem verdienten Geld mehr pflügt, streut, pflanzt und erschafft. Dafür kriegt man dann auch noch Erfahrungspunkte die einen irgendwann im Level aufsteigen lassen, wodurch man mehr Pflanzen und Tiere freischaltet. Zusätzlich gibt es Gebäude und Gegenstände, die nur dekorative Zwecke erfüllen. Womit wir schon bei der Grafik wären: Die ist manchmal absolut stümperhaft und manchmal schön knuddelig bunt. Ehrlich, wenn mein Avatar, der aussieht als wäre er mit Paint gemalt worden, über die mit satten Farben traumhaft gepixelten Felder wandert wundere ich mich schon ein wenig, wer bei dem Spiel für die Qualitätskontrolle zuständig war.

Ein leidliches Thema: Die Finanzierung. Wer bezahlt FarmVille eigentlich? Die Antwort ist ganz einfach: Die Benutzer natürlich. Aber nicht über Werbung oder gar monatliche Gebühren, sondern den Zukauf von Ingame-Geld. Darüber habe ich ja schon vor Jahren philosophiert, FarmVille löst das aber sehr friedfertig. Jeder bekommt beide im Spiel vorhandenen Währungen, bezahlende Spieler nur eben schneller. Die Luxuswährung “FarmCash” kann man nicht durch Ingame-Aktionen verdienen, sondern nur durch Zukauf oder Wartezeit, diese wird aber auch nur für dekorative Elemente und Arbeitserleichterungen benötigt.

Hier dürfen jetzt auch wieder diejenigen anfangen zu lesen, die FarmVille bereits kennen. Egal ob man es selbst spielt oder es gerade zum ersten Mal hört, wir werden uns einig werden, dass FarmVille äußerst simpel ist und kaum spielerische Möglichkeiten oder Freiheiten bietet. Anpflanzen, Ernten, Wiederholen, aus diesem Muster kann man nicht entkommen. Doch wir werden uns hoffentlich auch einig darüber, dass FarmVille Konzepte von zwei der erfolgreichsten Spieles dieses Jahrzehntes vereint: World Of Warcraft und Die Sims. Auf der einen Seite haben wir diese minimalen Bestandteile einer Wirtschaftssimulation und eines Rollenspiels, bei denen schnelle Erfolge garantiert sind und Erfolg zweifelsfrei zu noch mehr Erfolg führt. Es ist fast unmöglich nach ein paar Stunden Spielzeit nicht schon Level 4 oder 5 erreicht zu haben, wodurch man schon einige interessante neue Gegenstände freischaltet, für die man aber noch nicht genug Geld hat. Bis man das hat sind wieder andere freigeschaltet. Man wird durch diese Motivationskurve quasi dazu gezwungen weiterzuspielen. Auf der anderen Seite kann man mit dem verdienten Geld einfach einen Teil seiner Farm bauen, die zwar keinen Gewinn abwirft, aber hübsch anzusehen ist. Selbstverwirklichung der eigenen, bäuerlichen Phantasien im Spiel quasi.

Zusätzlich trägt zum Erfolg von FarmVille auch der Fokus auf virale Verbreitung bei. Um schnell zu einer größeren Farm zu kommen benötigt man viele Nachbarn, also Facebook-Kontakte, die das Spiel auch spielen. Außerdem gibt es Ereignisse, die anderen Mitspielern Vorteile bringen – es ist also klug, möglichst viele FarmVille-Spieler zu kennen. Auch dadurch entsteht eine weitere Motivation: Man kan nicht nur Erfahrungspunkte und Level der Mitspieler betrachten, sondern auch deren Farm. Man kann damit angeben, was man hat. Sogar damit, wie schön man die einzelnen Gebäude zu einer perfekten Landidylle zusammengewürfelt hat.

Alles in allem bleibt eine seichte, aber motivierende Freizeitbeschäftigung. Nicht fordernder als zum Beispiel Fernsehen, aber, und hier liegt der Erfolg begraben, mit einer direkten Belohnung, mit der Bestätigung, dass man etwas erreicht hat. Dieses Konzept hat definitiv Zukunft und, wie man zugeben muss, mittlerweile auch schon einige Vergangenheit. Nicht nur bei den oft verhassten Casual-Gamern, sondern auch bei den Atari-Pionieren, bei den Core-Gamern. Vielleicht sogar speziell bei diesen, denn die Einstiegshürde ein Spiel anzufassen ist weitaus niedriger, und das Belohnungssystem funktioniert. Bei jedem.

Ich bin dann meine Erdbeeren ernten.

3 Kommentare

lalala facebook lite
lalalalaaaaa facekoob lite
lalalallalalalalalaaaaa facebooohoook lite :D

(das jetzt nur als niveaulose Anmerkung eines Nicht-FarmVillers xD)

Du willst es doch auch!