Friday Flash: Oiligarchy

Al Gore feiert mit seinen gefälschten Zahlen1 in Eine unbequeme Wahrheit Erfolge, die er als Präsident niemals gehabt hätte. Ich will nicht behaupten, dass viele Leute auf den Umweltzug aufspringen, aber viele Leute springen auf den Umweltzug auf um an eben jene Erfolge anzuknüpfen. Da ist es nicht verwunderlich, dass es auch Flash-Spiele mit Ökomoral gibt. Wenn diese Ökomoral aber so schön verpackt ist wie in Oiligarchy finde ich einfach nichts zu Meckern daran.
Der Name lässt natürlich schon vermuten um was es geht. Man startet nach dem zweiten Weltkrieg als aufstrebender Ölunternehmer mit einem Kapital von gerade mal 4000 Dollar. Zu diesem Zeitpunkt kann man in Venezuela, Nigeria und Texas Bauunternehmen tätigen, später auch in Alaska und dem Irak, aber eines von beiden befindet sich noch in der Hand Saddam Husseins2, das andere darf wegen der schönen Natur nicht bebaut werden. In Venezuela ist aber die politische Lage ein wenig angespannt und in Nigeria wollen die Einwohner ihre Dörfer behalten, also führt man für billiges Geld Probebohrungen in Texas durch und klatscht seinen ersten Bohrturm in die Landschaft, der dann fleißig Geld für einen scheffelt.
Doch wie langweilig wäre das Spiel, wenn es so einfach wäre? Bald stehen in den USA Präsidentschaftwahlen an, bei denen man entweder den Demokraten oder den Republikanern im wahrsten Sinne des Wortes Geld in den Rachen werfen kann. Je nach dem wer wie viele Stimmen erhält und wie viel Geld an diese Partei verschwendet wurde werden die Politiker im weißen Haus ölfreundlich, ökofreundlich oder unentschlossen. Ab und zu trudelt ein Gesetz ein, welches den Ölverbrauch auf der Welt steigert, den Abbau billiger macht, Naturschutzgebiete (Alaska, ihr erinnert euch?) für den Ölabbau freigibt… oder das genaue Gegenteil, je nach dem wie die Stimmung im weißen Haus ist. Wenn man den Präsidenten bestochen hat erhält man Zugang zu den Special Operations, die dieser im geheimen Kellerraum des weißen Hauses befiehlt. Den Irak angreifen? Kein Thema! Die gewalttätige Regierung in Venezuela stürzen und gegen eine gewalttätige, ölunternehmerfreundliche Regierung ersetzen? Aber immer doch!
Die Regierung in Nigeria lässt sich sogar noch leichter von den eigenen Interessen überzeugen. Für ein paar Dollar wird dort auch ein wenig Genozid betrieben, damit die Einwohner nicht mehr so negativ gegenüber dem Ölabbau eingestellt sind. So steigt der Ölbedarf und -preis immer weiter, man kann immer billiger abbauen und scheffelt immer mehr Geld. Die gelegentlichen Angriffe von Rebellen kann man durch die Unterstützung der US-Regierung, des nigerianischen Herrschers und einiger Söldner getrost ignorieren. Dann beginnt das Spiel langsam zur Routinearbeit zu verkommen, denn es gibt nichts neues mehr zu entdecken, bis dann irgendwann das Ende erreicht ist.
Oiligarchy ist eine gut gemachte, einfache Wirtschaftssimulation mit witzigen Comicgrafiken, die aber leider sehr schnell an Fahrt verliert. Nichtsdestotrotz kann das Spiel ein oder zwei Stunden unterhalten bis man alles gesehen hat. Die Steuerung ist manchmal etwas fummelig und umständlich, aber darüber kann man hinwegsehen angesicht des Humors3, der die erwähnte Ökomoral transportieren soll.
