Gebt mir ein L! Gebt mir ein I! Gebt mir ein MBO!
Ach. Ich bin verliebt. In ein Spiel. In LIMBO. Zuerst die schlechte Nachricht: Ich muss den Leuten, die sagen, LIMBO sei ein wenig zu teuer, durchaus Recht geben, jetzt, wo ich die Spielzeit am eigenen Leib erfahren habe. Das Preis/Leistungs-Verhältnis stimmt einfach nicht, gerade im Vergleich zu anderen XBLA-Titeln, die zum Teil billiger sind und viel länger unterhalten können, fällt es ein wenig ab. LIMBO kostet viel Geld. Aber ihr investiert euer Geld gut.
LIMBO handelt von einem Jungen, der seine Schwester sucht. Sagt man sich zumindest, denn das Spiel erklärt einem rein gar nichts. Und schon sind wir bei einer der Stärken von LIMBO: Statt mit einer Story aufzutrumpfen vermittelt es ein Gefühl. Ein beklemmendes Gefühl, es vermittelt Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Ziellosigkeit. Und das Spiel tut auch noch sein Bestes, den Spieler zu foltern. Ständig tappt man in Fallen, von denen man dann hinterher denkt, man hätte sie sehen müssen. Oder man hätte sehen müssen, dass das Spiel mit doppeltem Boden ausgestattet ist und genau das nicht tut, was man erwartet hätte. Oder eben doch. LIMBO ist Seelenfolter für den Spieler, ebenso wie für die Spielfigur, die öfters zerstückelt, zerquetscht oder erschossen wird. Dass die Graphik und der Ton absolut minimalistisch, aber nie billig, daherkommen, tut sein Übriges, damit man sich mit dem Spiel einfach schlecht fühlt. Im positiven Sinn.
Ich komme nicht umhin, hier den Vergleich mit Shadow of the Colossus zu ziehen. Wer mich kennt, weiß, wie sehr ich das Spiel gehasst habe, weil es eben ein schrecklich langweiliges Spiel war. LIMBO macht all das richtig, was Shadow of the Colossus falsch gemacht hatte: Es fühlt sich genauso an, bietet aber eine spannende Kombination aus Jump’n'Run und Rätsel. Wenn sich der ganze Level dreht, alles um einen herum stockdunkel ist und man trotzdem noch Hüpfspielchen machen muss, dann macht LIMBO wirklich Spaß, während es einen durch das Tal des Schmerzes schickt.
Oder, simpler ausgedrückt: LIMBO ist “WTF? OMFG! WTF? OMFG! WTF? OMFG!”, kaufen.

5 Kommentare
Pascal
23. Juli 2010
19:28
Fühlte mich unter Druck gesetzt, weil ich jetzt in der Blogroll von Polyneux stehe. Musste was intelligentes schreiben.
Manu
23. Juli 2010
21:01
sehr schön, und ja. so eine blogroll verpflichtet ;)
Manu
23. Juli 2010
21:09
Verstehe aber immer noch nicht, warum man Limbo zu teuer finden kann, wenn man so einen Liebesbrief darüber schreibt wie du ihn hier hast? Das Preis-/Leistungsverhätnis stimmt nicht für eines der genialsten Spiele, die dich emotional angesprochen haben? SRSLY? Nur, weil es ein paar Stunden kürzer ist als andere Spiele?
Mikkai
24. Juli 2010
14:54
Beklemmung und Traurigkeit? Fühlt man sich einsam? Ich meine, so richtig einsam, oder gibts wieder irgwendwelche Sammelquests, Fange- oder Killspiele? Das wäre endlich das, was ich so lange suche. Ein Spiel, keine Tötungs- oder Questistimulation. Schade, dass vorerst nichts draus wird. Hab meine 360 schon vor 3 Jahren verkauft. Weil Hardware weich in der Birne wurde. Guter Bericht.
Mikkai.
Pascal
25. Juli 2010
17:25
@Mikkai: Es gibt eine “Sammelquest”, die einem aber nur die Achievements gibt. War mir auch zu dämlich, hab ich nur gemacht, wenn ich zufällig drüber gestolpert bin. Ansonsten ist es wahrscheinlich genau das, was du dir gewünscht hast. Eine PC-Portierung passiert vielleicht irgendwann noch, Braid hat es ja auch geschafft.
@Manu: Ja, das ist auch ein Problem, das ich hatte. Während ich gespielt habe dachte ich die ganze Zeit, das Geld sei sehr gut angelegt, aber genau in dem Moment, als es vorbei war dachte ich “OK, und dafür hast du jetzt so viel Geld ausgegeben?”. Ich weiß, dass ich viel Spaß für mein Geld hatte, aber es fühlt sich trotzdem irgendwie seltsam an.
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