Ich will Überschriften klauen, soooo dreist!


Ich habe mir Prince of Persia gekauft. Also, das neue. Äh, nein, nicht das neue, sondern das alte neue. Ähem. Das von 2008 halt. Gut. Das war ja schon verwunderlich genug denn erstens stehe ich, wie dem ein oder anderen vielleicht schon aufgefallen ist, nicht sonderlich auf Action-Adventures und zweitens hieß mein letztes Prince of Persia auch Prince of Persia, wurde damals aber noch in gefühlten 4 Farben und mit einer dicken IBM-Tastatur vom Gewicht eines kleinen Elefanten gespielt. Nicht ganz 200 Lichtkeime1 später habe ich das Review von Christian2 gelesen. Und ich muss sagen: Dafür, dass er ein ewig nörgelnder Querulant ist, stimmen unsere Meinungen diesmal recht gut überein, aber aus total verschiedenen Gründen.

Aber first things first: Die Handlung ist – zumindest bisher – eher eine durchwachsene Mischung aus 1001 Nacht und uninispiriertem Gut gegen Böse. Ahriman ist ein böser Gott und aus seinem Gefängnis entwichen und bringt jetzt Tot und Verderben über die Menschheit. Nur die gutaussehende und wenig bekleidete Prinzessin Elika, die vom guten Gott Ormazd mit magischen Kräften ausgestattet wurde, kann die Welt retten und wird dabei von einem gutaussehenden, wenig bekleideten Fremden unterstützt, der im wahrsten Sinne des Wortes zufällig in die Sache reingerutscht ist. Oh, und ihr Vater hat auch noch etwas damit zu tun. Das Gleiche wie immer nur diesmal in Wüstenbraun. Was dann kommt klingt aber schon besser: Ahriman wurde von einem magischen Baum gefangen gehalten, der inmitten eines Tempels in einem weitläufigen Tal erbaut wurde. Das komplette Tal hat es zur Aufgabe, den Baum mit Energie zu versorgen, doch die Macht Ahrimans hat das Licht und die allgemeine Freundlichkeit vertrieben, sodass unser Duo jetzt das gesamte Tal abklappern und das Böse verscheuchen müssen. Aber gut, das war jetzt schon Meckern auf hohem Niveau, dann müsste ich ja auch Avatar scheiße finden weil es die dreihundertneunundachzigste Wiederholung der selben Story war.

Sehr löblich ist, dass das komplette Tal von Anfang an frei begehbar ist. Noch löblicher ist die Schnellreisefunktion zu bereits befreiten Gebieten. Weniger löblich ist es, wie das Tal aussieht. Man muss sich das so vorstellen: Da wurde ein königlicher Palast vom Ausmaß einer Kleinstadt mitten in dieses Tal gebaut – freischwebend, versteht sich, Fußböden dreitausend Meter über dem Erdboden sind ja auch völlig normal – und dann zerstört. Das heißt die komplette Landschaft besteht nur aus Trümmern die jemand an Talwände geklatscht hat. Der Königspalast ist nur daran zu erkennen, dass ab und an ein paar Wandteppiche im Wind wehen. Würde Elika mir nicht beim Betreten jedes Abschnittes erklären, wo ich gerade bin, ich würde nur Trümmerwüste erkennen. Pfui, so geht das aber nicht, liebes Leveldesign. Wenigstens sieht es nicht einfach nur beschissen aus, sondern sieht gut beschissen aus, denn die beknackten Level wurden mit stimmigem Cel-Shading animiert. Im direkten, sich aufdrängenden, Vergleich mit Borderlands sieht Prince of Persia eine gute Ecke besser aus, was wohl in nicht geringem Maße an Elikas Kleidern daran liegt, dass Borderlands nur Millionen verschiedener Brauntöne zu zeigen hatte. Warum traut sich eigentlich seit XIII kein Spiel mehr, die Kanten wirklich dick schwarz und die Flächen wirklich als Flächen zu zeigen? Ich habe diesen Comic-Stil mit den Panelen geliebt, aber ich schweife ab, denn dafür kann ja unser Prinz nichts.

Kommen wir aber zu oben erwähntem Christian zurück: Der findet nämlich die Steuerung zu unpräzise. Entweder ich bin wirklich der geborene Nerd oder mit dem Alter kam tatsächlich eine gewisse Verwirrung, aber ich hatte nie, keine Sekunde lang, Probleme mit der Steuerung. Die beiden kleinen Perser auf dem Bildschirm bewegen sich immer genau so, wie ich es von ihnen verlange. Aber ein Problem hat die Steuerung für mich. Sie ist viel zu simpel. Ja, ich weiß, casual und so, aber ich fühlte mich nicht selten an Guitar Hero erinnert, denn der Spielablauf besteht wirklich nur darin, im richtigen Moment die richtige Taste zu drücken. Ab und zu, wenn man an Pfeilern oder Gebüschen herumklettert, darf man mal noch die Höhe anpassen, damit der nächste Sprung auch wirklich passt. Spannend geht anders, selbst wenn man nicht sterben kann, da Elika einen nach jedem Fehltritt noch einmal mit ihren magischen Kräften rettet3. Die größte Schwierigkeit ergab sich öfters aus einer sehr ungeschickten Kombination aus Kamerawinkel und Zeitdruck: Ich springe, fummel kurz an der Kamera rum und sterbe, weil ich mich zu langsam bewegt habe.

Bei zwei Punkten bin ich mir immerhin vollauf einig mit Christian: Die Vertonung und die Animationen. Bei ersterem wurde, zumindest in der deutschen Version, den Originalton kann ich nicht beurteilen, ganze Arbeit geleistet. Die nicht selten komödiantischen Texte wurden perfekt zu Mikrofon gebracht, die Qualität entspricht Standards, wie man sie auch von Filmen gewohnt ist, was bei Spielen leider noch viel zu selten ist.4 Und wie der Prinz und Elika miteinander interagieren habe ich in dieser Form noch in keinem Spiel gesehen. Zwar vergeht durch die Animation immer ein kurzer Augenblick, doch das ist selbst dann nicht störend, wenn man unter Zeitdruck arbeitet, denn so gut wie die beiden sich aneinander vorbeischwingen, -drehen und -hangeln, so gut wie der Prinz Elika mit einem Schlenker seines Armes auf seine Schultern oder eine Stufe befördert, wirkt es einfach nie störend, sondern absolut harmonisch und passend.

Doch jetzt wieder zu einem Streitpunkt, damit uns nicht langweilig wird: Das Kampfsystem. Ich finde das Kampfsystem grandios. Sobald man einem Feind begegnet – und dabei handelt es sich wirklich immer nur um einen Feind – schaltet das Spiel in eine ein wenig streetfighteresque Perspektive, trotz deren man sich noch frei in der nun abgesteckten Arena bewegen kann. Christian zustimmen muss ich dabei, dass das Kombosystem leider im Spiel nicht erklärt wird, doch Anleitung lesen bildet, denn dort findet sich, nun, die Anleitung für die Kämpfe, auf stolzen zweieinhalb Seiten, mit dem Hinweis darauf, dass die Kombos alle im Optionsmenü aufgelistet sind. Kombos funktionieren folgendermaßen: Der Spieler bekommt nur vier Angriffe an die Hand, Schwert, Handschuh, Akrobatik und Elika (was Zaubern entspricht), welche auf vier verschiedenen Tasten liegen. Mit jedem Angriff fügt man einem Gegner nicht nur Schaden zu, sondern versetzt ihn in einen Zustand, zum Beispiel “fliegend” mit dem Handschuh. Jetzt kann man einen weiteren Angriff starten, zum Beispiel kann der Prinz (Mit der Elika-Taste) Elika in Richtung des Gegners werfen, die diesem einen Zauberstoß verpasst. Wenn sich jetzt Elika zwischen dem Gegner und dem Prinzen befindet kann man mit einem Druck auf die Akrobatik-Taste dafür sorgen, dass Elika den Prinzen greift, und wiederum ihn zum Gegner schleudert. Das klingt nicht nur simpel sondern ist es auch. Alleine schon durch bloßes Ausprobieren findet man viele beeindruckende Kombos heraus.

Gar nicht nervig finde ich auch die Quick Time Events und ich bin ein Hasser von QTEs. Wenn man einen Gegner an den Rand drängt (oder andersherum) startet etwas, was sich “Ringkampf-Minispiel” schimpft und aus Knopfzerhauen besteht. Das passiert aber, wenn man gut kämpft, nicht nervig häufig und ist auch schnell vorbei. Ein weiteres QTE gibt es, wenn der Gegner die Gelegenheit hat, den Prinzen zu töten. Nach dem ersten Treffer ist man angeschlagen, wenn man noch einmal getroffen wird kämpft man um sein Leben, indem man einfach eine bestimmt Taste treffen muss. Wenn das misslingt wird man, casual sei dank, von Elika gerettet, der Gegner erhält aber einige seiner Lebenspunkte wieder zurück. Und das, lieber Christian, hätte ich dir eigentlich zugetraut zu verstehen, auch ohne dass du in die Anleitung schaust, wo es übrigens beschrieben steht. Seiten 13 bis 15.

Alles in allem halte ich Prince of Persia für ein stilsicheres und rundes, wenn auch selbst unter dem Casual-Deckmäntelchen zu einfaches Spiel. Wenn mir das Spiel mit den scheinbar immer schwerer werdenden Kämpfen, dem Backtracking und dem dämlichen Leveldesign wirklich noch so auf die Nerven gehen sollte, dass ich es wutentbrannt in die Ecke feuere, werdet ihr es natürlich hier erfahren. Wenn nicht sei euch gesagt: Kauft euch Prince of Persia, wenigstens jetzt zum Budet-Preis, so wie ich. Die paar Mark ist es nun wirklich wert und soviel habt ihr auch schon in einem Restaurant für ein Steak bezahlt. Ich jedenfalls.

Abschließend sei noch darauf hingewiesen, woher ich obiges Bild habe: Ubisoft hat Wikipedia genehmigt, dass jeder Benutzer Screenshots aus Ubisoft-Spielen aufnehmen und dort veröffentlichen darf. Zu den Grundregeln der Wikipedia gehört es, dass das Material zur Weiterverbreitung, Bearbeitung und kommerziellen Nutzung freigegeben sein muss und Ubisoft hat dem zugestimmt, unter der Voraussetzung, dass ihr Name darunter steht, was hiermit geschehen ist. Was übrigens weitaus offenere Lizenzregelungen sind als die, unter denen dieser Text hier steht. Ich finde das äußerst löblich und möchte Ubisoft an dieser Stelle noch einmal abseits der nötigen Namensnennung für diese vorbildliche Regelung danken.

  1. Fragt mich jetzt nicht, was das in Stunden heißt.
  2. Ich weiß, wie schrecklich es ist, dessen Kauderwelsch zu lesen, deswegen ist es für das weitere Textverständnis auch nur förderlich, aber nicht erforderlich.
  3. Wobei ich mich ja jedes einzelne Mal frage, warum die doofe Kuh eigentlich nicht einfach blau blinkend rüberschweben und mir die ganze Hüpferei ersparen kann.
  4. Hier stand ursprünglich die Frage ob sich noch jemand an das Spiel mit den Kettensägen und der schrecklichen Synchronisierung erinnert, aber sowas darf ich ja nicht schreiben.

10 Kommentare

Es wäre den Budgetpreis wert, wenn man für die Hälfte der 5€ nicht auch die Sands of Time Trilogie bekommen würde… die das eigentlich alles besser gemacht hat. Bessere Geschichte, bessere Level, bessere Figuren, bessere Kämpfe bessere OH-SHIT-Mechanik…

In meinen Augen sind die letzten 4 POPs alle ihren vollen Preis wert. Der letzte ist in keinem Aspekt schlechter nur anders. Noch ein Sand of Time hätte zumindest ich nun wirklich nicht gebraucht (ohne damit sagen zu wollen das diese nicht großartig wären).
Zu leicht war es aber wirklich, die anderen aber auch irgendwie (bis auf diese mistigen dunkler-Prinz-Rumgehetze-Abschnitte, die nicht in ein märchenhaftes Abenteuer passen in dem man sich auch mal umgucken möchte).

Falls Du den DLC testen solltest, würde mich interessieren für wie lohnend Du den hälst.

Und ich habe, wie gesagt, keinen Vergleich, weil ich das letzte mal auf einem 386er POP gespielt habe. Aber die Argumentation dass ich für den selben Preis auch den Vorgänger kriege finde ich per se ein bisschen doof, aber das steht ja schon in der Adresszeile vom Browser.

Mal schauen wie sehr mich das Hauptspiel weiterhin bespaßt, dann ist der DLC durchaus drin. War der schonmal Deal of the week oder kann das in nächster Zeit noch kommen?

Deal of The Week? Keine Ahnung, ich bin bis auf den Probemonat Solospieler/Silbermitlied.

Nu hör’ doch mal auf darauf herumzureiten, dass ich damals auf der Steuerung herumgeritten bin. Ich meine: ey, wer liest denn schon Handbücher. Ich bin ein Kerl, und nicht so eine Pussy wie Du!!! Harrrrr…..
Außerdem finde ich das PoP-Reboot außerordentlich gut gelungen. Mal davon abgesehen, dass es praktisch schon einer in Platin nicht auzuwiegenden Adelung gleichkommt, wenn ich ein Spiel auch tatsächlich mal von vorne bis hinten durchspiele: PoP habe ich sogar mit außerordentlich viel Vergnügen durchgespielt. Um nicht zu sagen: ich hatte einen saumäßigen Spaß. Und dann noch der schöne Humor!
Ja, ich hatte sogar soviel Spaß, dass ich mir sogar umgehend den zugehörigen DLC gezogen habe, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht…. der war dann allerdings wirklich total beschissen und liegt bis heute verschmäht und windelweich geprügelt auf meiner Festplatte. Unnützer Scheiß-DLC, unnützer.
Aber hey: das Hauptspiel war geil. Und das ist die Hauptsache. Und der Bossfight am Ende erst… geilo!
So. Friss das!

Ich muss ehrlich zugeben dass ich erst ins Handbuch gesehen habe, als ich diesen Text schrieb, bloß um noch ein wenig darauf herumzureiten, dass du es auch hättest nachlesen können. Einfach zu schreiben dass ich es im Gegensatz zu dir auch so kapiert habe erschien mir dann doch zu gemein. Aber ich hab die Entscheidung das Spiel zu kaufen zu nicht geringen Teilen auch deswegen gefällt, weil selbst du es gut fandest und das will schon was heißen.

Was ist denn am DLC so mistig? Wie die Story weitergeführt wird? Die Level? Oder was?

Ach ja: Deine Überschrift hätte ich wirklich gerne benutzt, fand den Satz einfach toll.

Beim DLC fand ich das Timing der Sprungpassagen absolut daneben. Im Hauptspiel waren längeren Sequenzen, in denen man knöpfchendrückend von Wand zu Wand springt noch ziemlich easy, auch wenn das nach hinten hin natürlich anzog, im Addon aber wurde es gleich zu Beginn ganz schön haarig, fand ich.

Ist es einfach nur bockschwer oder unfair? In einem von beiden Fällen wäre der DLC für mich durchaus eine Überlegung wert, ich bin zu verwöhnt vom Schwierigkeitsgrad von Mirror’s Edge.

Schöne Kritik, nett zu lesen.
Kann dir sogar zustimmen, auch wenn ich dabei sagen muss, egal – glaube ich mal – wie scheisse das gesamte Spiel gewesen wäre, wären die beiden liebevollen Charakteren so geblieben hätte ich es so oder so gut gefunden. Ich habe selten – oder war es nie – ein Spiel gesehen was sich so viel Mühe gab den Charakteren so viel Leben, Wortwitz und Charme einzuflössen wie hier. Bin ich es doch gewohnt einen Stereotypen mit Waffe, ohne Vergangenheit, Zukunft und dämlichen bis peinlichen Sprüchen, durch die Gegend zu manövrieren. Da dürfen sich die Treppen auch an unlogischen Stellen befinden, wenn Elika mir sagt das wäre ein Tempel, glaube ich ihr das auch. ;)

Du willst es doch auch!