Jahresrückblick 2009
Nein, das ist kein verspäteter Jahresrückblick oder der billige Versuch, sich durch zeitliches Einen-Schritt-Zurücktreten von den Millionen anderer Jahresrückblicke abzuheben. Dieser Jahresrückblick ist genau da, wo er hingehört. Denn heute vor genau einem Jahr wurde dieser Blog mit dem ersten Beitrag aus der Wiege gehoben. Es gab damals einiges auf die Finger, weil ich mich wagte, einen SNES-Controller als Titelbild zu verwenden und das obwohl ich es dranschrob, aber egal, es sei euch Nörglern und Querulanten verziehen. Bevor wir zu den Spielen des letzten Jahres kommen seien einige Sachen gesagt: Deine Mutter hat mich nicht grad vom Hocker gehauen, Serien sind nutzlos, benutze ich immer noch mit Freuden, Hab immer noch kein Counter-Strike gespielt (Ja, genau so schreibt man es nämlich), mein Lieblingsartikel bekam genau gar keine Aufmerksamkeit, fast, liegt auf meiner Festplatte in Lauerstellung, spiel ich nicht mehr, keiner der 5000 Besucher kam wieder. Jetzt die Spiele.
Spiel des Jahres

Absolutes Hardcoregameplay mit millisekundengenauen Sprüngen und viel Frust trifft absolutes Casualspiel mit Ein-Tasten-Steuerung trifft abgedrehte Handlung und einen comichaften Stil. Als wandelnder Chemiebaukasten rennt und explodiert man sich durch die Gänge des Superschurkenregierungswissenschaftlermasterminds (man weiß es nicht genau), zerballert unendlich viele Wissenschaftler zu Steaks und Würstchen und, vor allem, stirbt unterwegs sehr oft. ‘Splosion Man hat sich mit den bunten Farben, der fröhlichen Musik, dem arg bespaßenden Mehrspielermodus und den allgemein sehr abgedrehten Ideen tief in mein Herz gesprengt. Warum ist es eigentlich nicht auf Platz 1 der Liste? Wegen einiger, frustiger Momente, die den Spielspaß doch sehr getrübt haben, weil einem das Spiel in diesem Moment nicht einfach nur so schwer wie es nunmal ist, sondern schlicht unfair erschien, wegen den vielen Stellen, an denen die ganze Geschwindigkeit verloren geht, weil dem Spieler nicht deutlich genug gezeigt wird, was zu tun ist und den arg deplatzierten Kämpfen mit den Wachrobotern mit den Laserstrahlen. Aber für einen Xbox Live Arcade Titel ist der fünfte Platz verglichen mit allen anderen Spielen des Jahres doch schon verdammt gut, oder? ‘SPLODE!

Schon wieder so ein Casual-Ding. Noch dazu das eine Casual-Ding, das wahrscheinlich jeder in seinen besten Spielen des Jahres untergebracht hat. Und wisst ihr auch warum? Zu Recht! Plants vs. Zombies schafft es, genauso wie ‘Splosion Man ein Genre, das sich bisher eher ausschließlich Coregamern präsentiert hat, dem breiten Massenmarkt zugänglich zu machen. Dadurch, dass man nicht wie in vielen Tower Defense Spielen frei in einem Labyrinth, sondern nur sehr beschränkt auf wenigen Bahnen bauen kann, welche auch noch nach und nach freigeschaltet werden, wird das Spielprinzip zu Beginn auf ein Minimum an Denkarbeit beschränkt und erst wenn alle Einstiegshürden eingerissen wurden nach und nach aufgebläht, bis man dann am Ende mit Pflanzen, die über den kompletten Bildschirm schießen gegen Zombies kämpft, die sich mehr oder weniger frei bewegen können. Und das alles in dem absolut abgedrehten Szenarios von angreifenden Zombies die meine Gehirne1 fressen wollen und das auch mit entsprechenden sehnsüchtigen Lauten und lustigen Fahnen und Briefen zeigen, die von meinem Kräutergarten abgewehrt werden. Dazu Crazy Dave, der durch die Story führt und den Laden für Upgrades betreibt, und der Zen-Garten, der ein absolut unwichtiges Minispiel ist, welches einen aber trotzdem für das Hauptspiel entlohnt, und wir haben einen der Hits des Jahres 2009.

Wenn Halo draufsteht dann gefällt es mir ja per Definition. Und trotz einiger gravierender Schwächen konnte Halo Wars meine Erwartungshaltung sogar noch übertreffen. Ich dachte immer, Echtzeitstrategie würde auf Konsolen nicht so arg gut funktionieren. Endwar hielt ich mit der Sprachsteuerung dann endlich mal wieder für ein interessantes Konzept, die Steuerung konnte mich dann aber doch nicht gerade vom Hocker hauen. Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3 hat mich dann beinahe überzeugt, dass das nichts werden kann. Und plötzlich gehen die Ensemble Studios mit diesem Kracher unter. Halo Wars steuert sich am ehesten wie ein Egoshooter, ist tief in seinem Inneren aber trotzdem ein ansprechend komplexes Strategiespiel mit zwei Rassen, die sich beinahe auf Blizzard-Niveau unterscheiden. Kritikpunkt: Die manchmal etwas wirr und dadurch auf Verlieren gepolt agierende KI.

Borderlands hat alles, was ich von einem Spiel verlange. Cel-Shading. Ich liebe Cel-Shading! Ausgefallenes Gegnerdesign. Ich liebe ausgefallenes Gegnerdesign. Redheads mit großen Brüsten. Ich liebe Redheads und große Brüste! Aber vor allem hat Borderlands eines: Den Diablo-Effekt. Nur noch eine Waffe! Nur noch dieses Schildupgrade! Nur noch einen Level! Nur noch eine Quest! Und ehe man sich versieht hat man zwanzig Stunden in das Spiel investiert ohne es zu merken. Und noch dazu, wie Daniel Pook vor kurzem schon im, übrigens sehr empfehlenswerten, AreaGames-Podcast feststellte, die motivierendste Achievement-Verteilung seit… eigentlich immer. Da sehe ich doch gerne über die vielen Patzer hinweg, wie die jämmerliche, gerade-so-noch-nicht-nervige Anzahl an Gegnertypen oder das absolut beknackte Reisesystem, das aus nutzlosen Fahrzeugen und zu spät freigeschalteten Schnellreisen zusammengewürfelt wurde, oder die gerade-so-schon-nervigen Ladezeiten oder den nicht für das Interface ausgelegt Split-Screen-Modus. Einziges wirklich brutales Manko ist die fehlende 3rd-Person-Perspektive, da ich mir so die Sirene nicht anschauen kann.

Was soll ich denn dazu noch sagen? Ich habe Brütal Legend schon verehrt, lange bevor es in den Regalen stand. Die Namen Tim Schafer, Jack Black und Ozzy Osbourne haben gereicht, um mich beinahe schon körperlich zu befriedigen. Und das Spiel war wirklich so wahnsinnig TRVE wie ich es erwartet hatte. Ich spare mir jedes weitere Wort und verweise auf mein längliches Review.
Enttäuschung des Jahres
Die Namen der Verlierer sind zur Strafe in Comic Sans geschrieben.

Oh ja, The Maw. Als ich die Demo gespielt habe fand ich es noch toll, vor allem, weil das indirekte Spielprinzip, jemandem Anweisungen zu geben, statt selber aktiv zu werden, für mich noch total neu war. ICO ging nicht nur an mir vorbei, weil es mir arg an einer Playstation 2 mangelte, es erweckt bis heute auch noch den Eindruck eines französischen No-Budget-Indipendent-Filmes in Afrikaans mit koreanischen Untertiteln, etwas für hornbrillentragende Weintrinker. Spätestens im dritten Level hat es mich leider enttäuscht: Es passiert wirklich nichts, was man nicht in der Demo schon gesehen hätte, außer dass der lila Kirby-Verschnitt immer größer wird. Optische Highlights? Fehlanzeige. Anspruchsvoller werdende Rätsel? Nicht in diesem Spiel. Ehrlich, ihr habt rein gar nichts verpasst, wenn ihr The Maw umgeht. Spielt lieber ‘Splosion Man von den selben Entwicklern.

Ach. Ich weiß gar nicht, was ich über das Spiel sagen soll. Es ist mehr Halo 3 und mehr Halo 3 ist mehr gut. Aber es ist, naja, eben nur mehr Halo 3. Auch wenn es von Anfang an als eigenständig spielbares Addon angekündigt war hat es mich doch arg enttäuscht. Episode 1 und 2 von Half-Life 2 waren auch nicht mehr und hatten gefühlte zwölf Millionen mal mehr neue Schaureize und Spielerfahrungen als Halo 3 ODST. Und sowieso: Der Name von dem Spiel. Mit Halo ODST hätte ich prima leben können. Aber Halo 3 ODST geht zu weit, zumal die ODST (Orbital Drop Shock Trooper) in der deutschen Version von Halo Wars OAST (Orbital Assault Shock Trooper) heißen. Weiß der Geier warum. Klingt wahrscheinlich bayerisch und von daher heimelig.

Puh, Prototype. Wieder so ein schwierig zu bewertendes Spiel. Auf der einen Seite war es total gut: Funktionierendes Freerunning, jede Menge Splatter, Open World, dichte Story. Auf der negativen Seite stehen aber leider Posten wie das unausgegorene Kampfsystem, das die meisten Angriffe nutzlos macht oder die doch sehr mittelmäßige Grafik. Prototype macht wahnsinnig viel Spaß. Genau dann, wenn man eine neue Fähigkeit bekommen hat, die man jetzt unbedingt ausprobieren will. Ansonsten ist es sehr generisch und verschenkt viele gute Chancen.

Oh ja, auch hier taucht Brütal Legend wieder auf. Wie ich auch in meinem, übrigens wahnsinnig geilen, Review schrieb, ist das Spiel nämlich alles andere als perfekt. Es sind diese Kleinigkeiten die aus dem absoluten Überspiel eben “nur” ein wahnsinnig gutes Spiel machen. Und genau dafür steht Brütal Legend hier. Es hätte das Spiel sie zu knechten werden können. Wurde es aber nicht. Durch technische Fehler, durch überambitioniertes Spieldesign, durch schnarchlangweilige Sammel- und Nebenmissionen. Und ich weine beinahe wenn ich mir eingestehe, dass es diesen Platz hier wirklich verdient hat.

Pfui. Pfui Pfui Pfui. An Scribblenauts geht nicht einfach nur die Enttäuschung des Jahres, sondern auch der Titel des allerallerallerschlechtesten Spiel des Jahres. Denn richtig schlecht in dem Sinne waren die vorherigen vier Plätze ja nun wirklich nicht. Aber Scribblenauts… Ab-so-luter Spaßkiller. Wenn man Scribblenauts spielt hat man das Gefühl, die eigene Unterhaltung entwickelt sich langsam wieder rückwärts, bis man vom vielen Spielen unbedingt etwas spielen will, um sich die Zeit zu vertreiben. Ich dachte ja es wird noch besser, aber nein, wird es nicht. Die Englische Version, die ich mir raubkopierte, weil mich die gekaufte Deutsche Sprachfassung so derbe ankotzte, macht wenigstens die Erkennung der Begriffe besser, nicht aber das Spiel. Eine Steuerung die zwanghaft anders, leider aber auch schlecht, sein muss, ein Leveldesign, das zwischen kleinkindeinfach und unmenschlich schwer schwankt und diese gar schreckliche Deutsche Übersetzung, das alles zusammen kann nichtmal vom grundlegend tollen Spielprinzip und der stilvollen Graphik aufgewogen werden. Macht bitte einen großen, einen sehr großen Bogen um dieses Schundwerk der Spielekunst. Tut euch selbst den Gefallen.
Sonderpreise
Bewusst verweigert
Es gab da so ein Spiel, von dem hat jeder gesagt, man müsse es unbedingt haben. Man würde wahrscheinlich elendig, langsam und qualvoll verrecken und bis in alle Ewigkeit im dreihundertsiebzehnten Kreis der Hölle2 schmoren, wenn man es nicht in exakt 2,73 Sekunden bestellt. Die Rede ist von Batman: Arhkam Asylum. Und das aus gutem Grund. Ich mag Batman so ganz allgemein, war schon immer einer der coolsten Superhelden überhaupt, dieser Gadget-Ninja im Vergleich zu den ganzen anderen Schwachmaten mit ihren angeborenen Superkräften, für die sie nie etwas tun mussten3. Mir konnte bisher aber noch niemand beweisen, dass das Spiel wirklich so gut ist wie alle behaupten. Es klang bisher alles und wirklich ausnahmslos alles verdächtig nach “Im Vergleich zu anderen Comic-/Film-/Traum-/Gemälde-/Whatever-Versoftungen ist es gut”. Und genau deshalb werde ich es nicht kaufen, weil ich auch einmal einem ungerechtfertigten Hype entgehen will.
Spiele, die ich verpasst habe und unbedingt nachholen muss
Little Kings Story
Little Kings Story
Irgendwann mal gesehen, für erwartenswert befunden, völlig vergessen und dann von SpielerZwei in seinem Jahresrückblick bei Polyneux mit der Nase reingestoßen worden, dass ich es vergessen habe. Dieses Aufbau-RPG-RTS-Dingsbums sieht eigentlich aus, als wäre es nur für mich entwickelt worden.
Nachtrag: Bestellt kurz nachdem ich diese Zeilen hier geschrieben hatte. War ein Sonderangebot. Mittlerweile ausprobiert und für ganz nett befunden.
Dragon Age: Origins
Ein Rollenspiel mit Blut und Titten. Dazu gibt es nichts mehr zu sagen, außer dass halt gerade kein Budget mehr für Spiele übrig war.
Bayonetta
Zählt ja irgendwie nicht so richtig, weil es ja eigentlich erst dieses Jahr erscheinen sollte, dann aber doch Mitte Dezember schon in den Regalen stand. Die Demo hat mich jedenfalls sehr bespaßt, aber ich mag ja auch quietschbunte Dinge, Devil May Cry und sexy Hexen die nur ihre Haare anhaben, von daher ein sicherer Kauf, nur eben nicht jetzt.
Total egal
War was? Call of Duty: Modern Warfare 2 ging mir solange am Arsch vorbei, bis ich von der Flughafenszene gehört habe. Dann ging mir das Spiel und die Empörung am Arsch vorbei. Kilometerweit, um mal in diesem ausgelutschten Bild zu bleiben. Das ist ein 08/15-Shooter verpackt in viel Bäm, oder? Also warum sollte ich nicht einfach Halo spielen und mir nachher Stirb Langsam ansehen? Da hab ich den Shooter und das Bäm. Selbes Erlebnis wie das Spiel, aber ich muss nicht nochmal Geld dafür ausgeben.
Das meiste vergossene Blut
Das ist eine Kategorie die eigentlich nirgends fehlen dürfte. Eine solche Kategorie würde alles aufpeppen. Warum nicht am Ende von “Wetten, dass…?!” einen Preis für die Wette mit dem meisten vergossenen Blut vergeben? Dafür würde ich sogar zwei Stunden Thomas Gottschalk ertragen. Jedenfalls: Der Preis geht ganz klar an Prototype für die zerstückelten, außeinandergerissenen, zerquetschten und aufgefressenen Zombies, was eine super Überleitung ist zu…
Die meisten Zombies pro Quadratzentimeter
…diesem Preis, für den genau das selbe gilt, sowohl der Teil mit Thomas Gottschalk als auch der, dass Prototype diese Kategorie für sich beanspruchen kann. Allerdings muss es sich hier den Thron teilen mit Plants vs. Zombies. Dieses hätte den alleinigen Sieg davon getragen, wenn man die Pflanzen auch durch Zombies ersetzt hätte, aber Zombies vs. Zombies wäre sicher ein blödes Spiel geworden. Außerdem musste es noch rein, bevor wieder ein Querulant sagt, dass die Zombies in Prototype gar keine Zombies sind, sonder nur Mutanten die aussehen und sich verhalten wie Zombies, weil wegen Supervirus aber nicht von den Toten auferstanden. Ich würde wetten dieser Querulant heißt Julian.
Bestes nachgeholtes Spiel
Fallout 3. Definitiv. Und dieser Gedanke entstand wirklich so plötzlich und ohne Fragen wie das Wort dort am Beginn des Absatzes auftauchte. Fallout 3 macht genau das richtig, was Oblivion total falsch gemacht hat, nämlich so gut wie alles. Die Karte ist endlich benutzbar, die Welt ist interessant genug freiwillig auf Schnellreisen zu verzichten, die Charakterentwicklung ist nicht total abgefuckt. Und es ist groß, es ist wahnsinnig groß! Genau genommen kommt mir die Spielwelt kleiner vor als die von Oblivion, aber man spürt in jedem Millimeter, dass hier arbeit reingesteckt wurde. Fallout 3 könnte der erste Vollpreistitel werden in dem ich wirklich die Muße habe, mir jedes einzelne Achievement zu holen. Wahnsinn, dieses Spiel, wirklich. Kaufbefehl. Bei einschlägigen Händlern bekommt man die ungekürzte (was ich sehr empfehlen würde!), deutsche Game Of The Year Edition mit allen Erweiterungen für recht günstiges Geld. Worauf wartet ihr noch? Mehr dazu im vielleicht irgendwann folgenden Review4.
Technisch nervigstes Spiel
Auch Fallout 3, weil es meine Konsole mehrfach zum Einfrieren brachte. Noch schlimmer fand ich seinerzeit nur Fable II, das ohne Festplatteninstallation nichtmal das Hauptmenü anzeigen wollte. Diese hat bei Fallout 3 die Abstürze zwar vermindert, aber nicht ganz ausgeschaltet. Schade, dass so ein Technikpatzer das beste Spiel seit schon immer verderben muss.
- Ehrlich, die Zombies wollen immer meine Gehirne, nie mein Gehirn. ↩
- Das ist der, wo man alle Barbie-Spiele und Sonstwas-Simulatoren immer und immer wieder spielen muss. ↩
- Und nein, Batman wurde nicht von einer Fledermaus gebissen. Das war Spiderman. Also, Spiderman wurde natürlich nicht von einer Fledermaus gebissen, sondern von einer genmanipulierten, verstrahlten, schweinegrippeinfizierten Superspinne, du blöde Kacknase, die du das jetzt anmerken wolltest. ↩
- Ich habe dazugelernt: Ich gebe keine Termine mehr für Blogposts ab! ↩



22. Januar 2010 um 12:16
[...] Januar 2010. Bißchen spät für einen Jahresrückblick auf 2009. Auch wenn das mancherorts anders gesehen wird: ich lasse es doch lieber bleiben. Immerhin habe ich das Thema vor einigen Tagen auch schon [...]