Keiner will mein Geld

(Bild: Money von Nick Ares)
Räuber, Diebe, Betrüger. Überall lauern Gefahren, die einem schneller, als man verzweifelt “Hilfe!” rufen kann, das hart erarbeitete Geld aus der Tasche ziehen. Doch halt: Manchmal möchte man sein Geld sogar loswerden. Denn wie der größte Philosoph unserer Zeit bereits festgestellt hat: Geld kann man gegen Waren und Dienstleistungen tauschen. Und man hat sogar die Wahl, welche Waren und Dienstleistungen man erwerben will. Doch was tut man, wenn diejenigen, die imstande sind, diesen Tausch auszuführen, also zum Beispiel die freundliche Angestellte des Bäckers um die Ecke, selber Räuber, Diebe und/oder Betrüger sind? Richtig: Man unterlässt den Tausch. Und was tut man, wenn ausnahmslos jeder dieser Leute zu oben genannten Gruppen gehört? Ebenso richtig: Man weint sich in seinem Blog darüber aus. Und genau das geschieht hier.
Ich habe ja doch einen mittelgroßen Verschleiß an Videospielen, denn wirklich über Wochen fesseln konnte mich in den letzten Monaten genau eines davon. Zur Minimierung der dafür benötigten Geldmittel wäre es jetzt natürlich nicht doof, die ausgelutschten Spiele weiterzuverkaufen, aber damit habe ich moralische Probleme. Tief in meinem Herzen, und, wie bestimmt manche, vielleicht auch bestimmte, oder genauer, ein bestimmes, weibliche Wesen behaupten mögen, offensichtlich nach außen, bin ich ein schlimmer Messie. Ich trenne mich nur ungernst von Dingen, nicht nur, aber insbesondere auch, von Videospielen, zu denen ich eine tiefe Beziehung aufgebaut habe, indem ich in ihre Welt eintauchte und an ihren Handbüchern schnüffelte. Etwas für Geld erwerben in dem Bewusstsein, dass das Vergnügen nur von kurzer Dauer sein wird, kommt für mich einfach nicht in Frage. Was bleibt ist der Verleih.
Bei diesem gibt es aber zwei Probleme: Erstens wohne ich auf dem Land und die nächste Videothek, welche auch die einzige in greifbarer Nähe ist, ist 15 Minuten entfernt, die ich mit dem Auto zurücklegen muss, in einer Richtung, in die ich praktisch nie zu fahren pflege. Zweitens bin ich stinkfaul. Zum Glück leben wir im 21. Jahrhundert, dem Jahrhundert der freien Kommunikation und der flächendeckenden, täglichen Postauslieferung. Und bei Filmen stellt der Verleih per Versand1 ja auch gar kein Problem dar, bei einschlägig bekannten und in einschlägig bekannten Kinos intensiv beworbenen Anbietern lassen sich Flatrates buchen. Man bezahlt einen gewissen monatlichen Betrag, bekommt dafür zwei Filme zugeschickt, behält diese solange man eben dafür braucht und wenn man sie zurückschickt sind die beiden nächsten Filme schon so gut wie auf dem Weg. Und genau dieses System suchte ich für Videospiele. Ratet, wie viele Anbieter ich gefunden habe.
Einen.
Ganz. Genau. Einen.
Dieser eine Anbieter verlangte gefühlte drei Millionen Euro monatlich (in Wahrheit waren es, glaube ich, 11,99€) für einen Spielekatalog, in dem ich bei kurzem Überfliegen absolut keinen Titel aus dem Jahr 2009, geschweige denn einen aus dem aktuellen Jahr, gefunden habe. Lieber Anbieter, damit machst du dich zu einer Lachnummer. Ich entschied mich dann auf Empfehlung für einen anderen Anbieter, der seine Flatrate zwar für Filme, aber nicht für Spiele anbietet, dafür aber nur faire 6,90€ dafür verlangt, zwei Spiele eine Woche zu behalten. Und ich frage mich ernsthaft: Was zur Hölle soll das? Sind Spiele wirklich immer noch so sehr etwas für tageslichtentwöhnte, fette, langhaarige Freaks2, dass wir es nichtmal fertig bringen, einen Verleihservice zu ähnlichen Konditionen wie bei Filmen aufzuziehen? Haben wir wirklich keine coolen Unternehmer mehr im Land?
Noch jemand Vorschläge, die nicht Video Buster oder Games2Rent heißen?

9 Kommentare
PeterPwn
11. Februar 2010
15:37
Das Problem daran ist einfach die mangelnde Wirtschaftlichkeit.
Um mal die Retail-Preise zu vergleichen: So ne DVD kostet heutzutage neu in der Standard-Edition 10€, schlimmstenfalls 15€ wenn sichs um so nen Blockbuster (haha) wie Twilight handelt.
Was kostet so ein olles, aktuelles USK-Spiel nochmal im örtlichen Blödmarkt? Eben.
Und ungefähr das selbe Preisverhältnis wird sich auch bei den Verleihversionen wiederspielen.
Dazu kommt noch dass so ein Spiel vielleicht ne Halbwertszeit von MAXIMAL nem halben Jahr hat in dem es konstant verliehen ist.
Langer Rede kurzer Sinn: Es ist für Videotheken allein schon aus Gründen der Rentabilität nicht möglich Flatrate-Preise wie für Film-DVDs anzubieten.
Das Angebot von Videobuster find ich hingegen eigentlich schon fast super, aktuelle Games haben ne Singleplayer-Kampagne von 8 Stunden und da reichen mir 2 Spiele für ne Woche für 7€ dicke.
@manuspielt
11. Februar 2010
15:45
Kannst du nicht vergleichen die Modelle. Filme werden nicht so schnell alt – und bei den DVD Flatrates legst du ja eine Liste an mit Filmen, die du sehen möchtest, WELCHE du dann kriegst, darfst du ja nicht bestimmen. Jetzt stelle Dir das bei Spielen vor. Die meisten wollen doch ein “Mass Effect 2″ oder einen ähnichen Kassenschlager genau dann spielen, wenn er rauskommt. Vor allem bei Multiplayerspielen, da Du sonst wieder niemanden auf den Servern findest. Von daher rechnet sich das Flatrate Modell nur, wenn du WENIG Exemplare hast, diese aber oft verleihst. Und ich bezweifle, dass viele Gamer es cool fänden, ca. 10 EUR im Monat für ein “Dead Space” von 2008 zu zahlen, wenn du das Spiel für diesen Preis schon aus UK bestellen kannst. Und auch die Idee, IRGENDEIN Spiel zu bekommen, ist doof, das ist bei Filmen ja nicht so dramatisch.
Pascal
11. Februar 2010
16:01
@PeterPwn: Mhh. Die Rechnung, was eine DVD und ein Spiel im freien Handel kosten, kann man hier, finde ich, nicht bringen, weil das Unternehmen, das die verleiht, ja nicht ins Saturn rennt und sich einen Stapel davon kauft, sondern Verträge mit den Publishern schließt. Ersteres wäre ja sogar illegal.
@@manuspielt (das @ in deinem Namen verwirrt mich in höchstem Maße!): Dass das Problem des Altwerdens bei Spielen schlimmer ist als bei Filmen: Stimmt. Aber es als einzige Ausrede zu verwenden ist auch verkehrt. Bei Filmen wird schließlich auch viel viel viel öfter District 9 als Einer flog übers Kuckucksnest verliehen. Um nicht ganz so schnippisch zu wirken: Der selbe Satz würde auch mit nur mittelalten Filme (2-3 Jahre) funktionieren. Klar dass jetzt alle ME2 wollen und klar, dass man dann auch mal darauf warten muss und klar, dass man bei Wunschlisten-Modellen ein (je nach Ausführung mehr oder weniger) zufälliges Spiel bekommen würde, aber ehrlich gesagt könnte ich damit sehr gute leben. Mir wäre es völlig egal ob ich jetzt nächste Woche ME oder MW (jeweils erster Teil, natürlich) bekäme, schließlich kann ich sie so lange behalten wie ich will (ME zwei Wochen, MW zwei Tage). Also doch, ich finde man kann die Modelle sehr gut vergleichen.
Und egal wie gut die Argumente hier noch werden: Scheiße finde ich es trotzdem. Und dass es funktioniert ist erwiesen.
Pascal
11. Februar 2010
16:05
@PeterPwn: Vergessen, das Angebot für 7€ ist natürlich sehr fair, ich hätte trotzdem viel, viel lieber eine Flatrate.
PeterPwn
11. Februar 2010
17:20
Ich wollte auch nur die Preisdifferenz vor Augen führen, die wird bei den Verleihmedien nicht viel anders sein.
So ein Film als Verleih-DVD kostet soweit ich weiß 20-30€ für den Videotheker (Bekannter hat ne ‘Theke) bei Neuerscheinungen und die Games werden sie als Verleihversion wohl auch nicht auf einmal verschenken.
jorl
12. Februar 2010
09:37
Räuber, Diebe geh’n auf Ganoventour. Doch zwei ganz liebe …
Ah ich hab’ einen Ohrwurm von Deiner Einleitung.
Spiele leihen wäre für mich gar nix, da ich nie weiß wann ich mal zum zocken komme und auf was ich dann Bock habe. Davon zeugen Stabel von Spielen, die ich irgendwann auf jeden Fall noch spielen will. Darunter auch so aktuelle Titel wie Baldurs Gate II und Jak X.
Da bin ich doch eher Messie – äh Sammler.
Pascal
12. Februar 2010
10:13
Das mit dem Ohrwurm war nicht beabsichtigt, das fiel mir erst beim Korrekturlesen auf. Aber seitdem krieg ich es auch nicht mehr aus dem Kopf.
Bei Baldur’s Gate muss ich sagen: So geht es mir mit ausnahmslos allen(!) Spielen von BioWare, außer diesem Sonic-Ding. Ich wollt jedes einzelne spielen, hab sie zum Teil auch hier liegen und angefangen, aber nicht ein einziges zu Ende gebracht. Das selbe kann ich übrigens über die komplette Fallout-Reihe außer Fallout 3 sagen.
Aber genau deswegen will ich ja Spiele leihen: Ich hab einen ganzen Stapel Zockung daheim liegen, die ich einfach nicht zu Ende bringe. Also warum sollte ich mir diese Spiele kaufen? Ich glaube sogar, dass ich bei geliehenen Spielen gerade durch den Zeitdruck eher gewillt bin, sie nicht anzutesten und liegen zu lassen.
m.a.
12. Februar 2010
12:46
Ich hatte mal mit meinem Hausvideothekar gequatscht und der meinte, es würde sich für ihn nicht rechnen Videospiele zu verleihen, weil zum einen die Nachfrage begrenzt ist und zum anderen tatsächlich die Anschaffungskosten im Vergleich zu DVDs zu hoch sind. Für ne Verleih-DVD zahlt er (wenn ich mich recht entsinne) zwischen 10 und 20 Euro, für ein Spiel geht es bei 40 Euro los. Sowas kann sich also bestenfalls für Riesenketten wie Tomin rechnen, die dann halt darauf setzen, dass man zu seinen zwei Spielen noch drei Filme mitnimmt.
Spiel
15. Februar 2010
15:32
Das Problem liegt m.M.n. bei den Spiele-Herstellern bzw. Spiele-Publishern, die einfach kein Interesse an diesem Geschäftsmodell haben. Wozu auch? Spiele haben ein gewisses Suchtpotenzial und jemand der sich für ein bestimmtes Computer-Spiel interessiert wird es sich früher oder später kaufen. Und Anregungen zum Kauf gibt es viele: Allein an der massenhaften Werbung im Web, TV und Zeitschriften kommt kaum einer vorbei. Da lohnt es sich einfach nicht ein Verleih-System aufzuziehen nach dem Vorbild der von der Filmindustrie geförderten Videotheken.