Normal halt

Neulich auf Twitter: Unzählige Menschen sagen mir, Halo müsse man auf Legendär (der Schwierigkeitsgrad, der früher mal “Schwer” hieß) spielen, nachdem ich mich über die Spielzeit von Halo 3: ODST beschwert hatte. Naja, ja. Ihr habt Recht. Den Umstand an sich finde ich aber, wie ihr hoffentlich auch, total falsch. Ich steh auch total auf Schokolade mit 100% Kakao und werde sie trotzdem niemandem empfehlen mit dem Satz: “Ja, die schmeckt dir bestimmt auch ganz gut wenn du sie einfach sofort runterschluckst bevor sie deine Zunge berührt.”

Irgendwann in der frühen Steinzeit (oder vielleicht auch etwas später) haben wir einmal festgelegt was Normal ist: Gebügelte Hemden, Krawatte, Job bei der Bank und ein kleiner BMW Alles so, wie es sein soll, wie man es erwartet. Übertragen auf ein Spiel heißt das: Auf dem Schwierigkeitsgrad “Normal” ist alles genau so, wie die Entwickler sich das ausgedacht haben. Die Streuung der Waffen, die Anzahl der Verbündeten und Gegner, Lebenspunkte und Bewaffnung, die Ausdauer des Spielers, der Steuersatz, das Startkapital, die Sichtweite. Alles eben. Alles ist so wie es sein soll, so wie das Spiel entwickelt wurde, so wie es im Konzept steht. Alle anderen Schwierigkeitsgrade sind Abweichungen davon.

Und wenn jetzt ein Spiel für den Durchschnittsspieler1 wie ich es bin, auf diesem Schwierigkeitsgrad zu leicht ist dann ist das halt so, das wollten die Entwickler so. Da gibt es keine Ausreden wie “Ja, aber der Durchschnittsspieler sollte es eben doch auf Schwer spielen…”, das ist dann schlicht und ergreifend ein leichtes Spiel. Und wenn jemand kommt und sich beschwert, das Spiel wäre ihm zu schwer, dann soll dieser nette Herr2 sich bitte gepflegt in sein verwöhntes Casualknie ficken, denn für dich gibt es den Schwierigkeitsgrad darunter.

Halo 3: ODST ist schnell durchgespielt und sehr leicht. Wenn man es so spielt, wie Bungie das eingeplant hat. Normal halt. Ich bin dann mal auf Legendär durch Neu-Mombasa streifen. Weil die den Schwierigkeitsgrad falsch eingestellt haben.

  1. Ich meine den Durchschnittsspieler wie er ausgesehen hat, bevor es die Wii gab.
  2. Oder die nette Dame, wie man besonders seit der Wii auch öfters sagen kann.

4 Kommentare

Um das zu demonstrieren empfehle ich mal hintereinander Devil May Cry 3 und 4 zu spielen, jeweils auf dem selben Schwierigkeitsgrad. Oder ein für mich total aktuelles Beispiel: Final Fantasy III und VIII (oder VII, hat nach meinem Empfinden einen ähnlichen Schwierigkeitsgrad).

Naja, “generell immer einfacher” würde ich gar nicht mal sagen, Legendary Halo ist schon ein gutes Beispiel dafür, dass Spiele auch heute noch knackig (bis an den Rand von unfair) sein können, und das sogar ohne hirnrissige oder gleich nicht existente Speichersysteme.

Das Problem mit den Schwierigkeitsgraden ist “einfach”: a) Niemand möchte auf der Einstellung “Easy” spielen und sich sein Unvermögen eingestehen b) die Entwickler wollen, dass viele Menschen ihre Spiele durchspielen und nicht zwischendrin frustriert aufgeben c) wer viel spielt, wird auch generell in Spielen besser

Das führt letztlich dazu, dass “Normal” das neue “Easy” ist, stellenweise berücksichtigt man das ja schon von Entwicklerseite aus und verzichtet gleich ganz auf Schwierigkeitseinstellungen unterhalb von “Normal”.
Wenn die Spieler dann noch dazulernen würden, gäbe es gar nichts zu meckern… aber man will sich sein Unvermögen (hier den richtigen Schwierigkeitsgrad zu wählen) ja nicht eingestehen.

Du willst es doch auch!