Quest “Gebrauchtmarkt sabotieren” abgeschlossen! Neue Quest “Importe sabotieren” angenommen!

Vor gar nicht all zu langer Zeit behauptete mal jemand, der Gebrauchtmarkt sei genauso schlimm wie die Raubkopierplage. Menschlich wissen wir natürlich alle, dass das nur ein totales Arschloch gesagt haben kann, aber trotzdem, in mir schlummert das kalte, berechnende Herz eines gelernten BWL-Fritzen, das schreit, dass er Recht hat, was aber nichts daran ändert, dass nur totale Arschlöcher sowas sagen können, denn nur totale Arschlöcher erlauben es, dass das kalte, berechnende Herz über die Menschlichkeit siegt. Aber weil die Leute in den Führungsetagen von Videospielkonzernen nunmal vornehmlich gelernte BWL-Fritzen und/oder totale Arschlöcher sind haben sie nur zustimmend genickt und das 10$-Projekt gestartet, bei dem man den Multiplayermodus oder ähnliches Zeug nachträglich kaufen muss und nur der Käufer des Originals das umsonst kriegt. So weit sollte das bei den qualitativ hochwertigen Lesern dieses qualitativ hochwertigen Blogs bekannt sein. Aber ich hoffe ihr wisst, was als nächstes auf uns zu kommt?

Korrekt, Importe. Ich sehe, sie sind fähig, Gedankenbrücken zu schlagen oder die Überschrift zu lesen. Denn sind wir mal ehrlich: Der Importmarkt ist vielleicht nicht ganz so schlimm wie der Gebrauchtmarkt, aber immer noch mindestens so fies wie die Raubkopierer! Im letzten Jahr wunderte sich die Industrie ja noch, dass die gesamteuropäischen Absatzzahlen in etwa konstant blieben, der Umsatz sich aber leicht nach Großbritannien verlagert hat. im Sinne von “massiv nach Großbritannien verlagert hat”. Und Umrechnungskurse gelten auch für die Industrie, also wenn wir uns ein Spiel für 20€ aus England bestellen, das wir hier für 40€ kaufen müssten, dann ist das ein Umsatzrückgang von 50%1! Das ist immerhin halb so viel wie der Umsatzrückgang durch Raubkopien und Gebrauchtverkäufe!

Allerdings ist es ungleich schwerer, sowas zu unterbinden. Importe aus den USA oder Japan sind sowieso von vorneherein zum Scheitern verurteilt, wegen Fernsehfarbübertragungsdings. Aber bei den UK-Importen einfach einen Downloadcode beilegen funktioniert nicht, es könnte uns nämlich niemand daran hindern, diese einfach in unserem guten, alten Deutschland zu benutzen. Auf der englischen Disc die deutschen Texte und Tonspuren wegzulassen hilft ja auch nur bedingt, weil wegen Weltsprache. Aber, zumindest für Xbox Live und, wie ich hörte, auch im Playstation Network, was ich nicht bestätigen kann, weil ich eben keine Playstation 3 besitze, gibt es eine Lücke, die man ausnutzen könnte: Es werden keine DLCs veröffentlicht, die ab 18 Jahren freigegeben sind.

Man könnte nun also, sagen wir mal, den letzten Level oder den Multiplayermodus einfach als kostenlosen DLC anbieten, diesen aber so gewalthaltig machen (und etwas mit künstlicher Gewalt aufblähen ist ja nun wirklich nicht schwierig), dass er in Deutschland einfach nicht erscheinen wird. In Deutschland erscheint dafür genau dieser Inhalt (wahrscheinlich ohne die künstliche Gewalt, um die Alterseinstufung nicht zu gefährden) auf der Disc. In anderen Ländern, die keinen so zickigen Jugendschutz haben, würde das natürlich nicht funktionieren, aber Deutschland ist schließlich mit einer der größten Spielemärkte. Ich weiß nicht, ob es genau so ausgehen wird oder ob die Publisher wirklich einen Deal mit den Konsolenherstellern hinbekommen, Spiele nur unter strikteren Bedingungen spielen zu können oder ob sie eine noch viel tollere Idee haben, aber wir alle wissen, dass da etwas auf uns zu komme. Stellt euch schonmal darauf ein.

  1. Wie gesagt, in meiner Brust schlägt das frostige Herz eines Betriebswirtschaftlers.

10 Kommentare

Deine “Viel gesagt” Box funktioniert nicht weil ich auf deinem Blog schon gefühlte 1000 Kommentare hinterlassen hab und nicht auftauche. So. :-P

Alte Zicke. Die funktioniert sehr wohl, zählt nämlich nur die letzten dreißig Tage, um den konstanten Kommentarfluss zu gewährleisten. Muahahahaa. Obey.

Schöne Dystopie, die wir (hoffentlich) niemals erleben werden. Es ist sowieo eher wahrscheinlich, dass unserer Euro-Kriese Importe bald gänzlich unattraktiv macht, weil GBP viel mehr Wert als Euro und so.

Dennoch: you made my day.

So aus rein wirtschaftlicher Sicht mache ich mir da nicht so die Sorgen, die Heuschrecken versuchen nach dem Euro gerade das Pfund kaputt zu machen, das gleicht sich alles irgendwie aus. Karma und so.

Schöne Abhandlung, jedoch ist der Wechselkurs nicht der einzige Vorteil. UK hat immer schon eine andere Videospielkultur gehabt als good old Germany. Die Highstreets platzen förmlich vor HMV, Virgin Megastore, Dixons, EB, GameStop, Game und schlussendlich auch massig Game Trade-in Shop Filialen mit “Buy X, get Y free” Angeboten. Einzeltitel werden zu Preisen weit unterhalb der magischen 59,99 (insert local currency here) Grenze angeboten.

50%, die hierzulande an “Umsatz” durch den Import fehlen, fliessen schlussendlich ans selbe Ende der Nahrungkette. Hier triffts dann eher den Einzelhändler als den Publisher – der durch mehr Bewegung auf dem Markt zwar kleinere Margen hat, dafür jedoch mehr Abverkäufe (Das alte Spiel von Angebot und Nachfrage).

Ach und NTSC-J != NTSC ^^

Ist mir bei meinem Londontrip im Früjahr gar nicht so aufgefallen, dass deren Angebot so unglaublich groß ist. Hat Harrods eine Videospieleabteilung und wenn ja warum hab ich sie nicht gesehen? ;)

Ich kann mir zwar schon vorstellen, dass die Importzahlen signifikant sind, aber ob das extra Entwicklungskosten rechtfertigt um in 1-2 europäischen Ländern 10% mehr Umsatz einzufahren… ist es nicht einfacher (was ja glaube ich schon passiert ist) die Preise in den Exportländern so anzupassen, dass es sich für die Importeure nicht mehr lohnt?

Ja, in England sind die Preise schon gestiegen, wodurch es dort einen riesigen Aufschrei gab. Das ist ja immer so ein schwieriges Spiel: Wenn sie dort steigen sinkt der Umsatz dort, aber hier steigt er. Und bisher haben sie es sich scheinbar noch nicht getraut, die Preise auf ein deutsches Niveau zu heben, Importieren lohnt sich ja immer noch.

Den zusätzlichen Entwicklungsaufwand hatten sie ja schon beim Torpedieren des Gebrauchthandels, denke also, der Aufwand lohnt sich schon.


PS3-Besitzer
2. August 2010
09:52

Die meisten PS3-Zocker besitzen mehrere Accounts, um den “Jugendschutz” im deutschen Store zu umgehen.
Bei einem UK-Spiel wird eben der englische Account mit Geld aufgeladen und fertig. Oder man nutzt den AT-Shop für deutsche UNCUT-Spiele.

Davon abgesehen. Sollten die Publisher mich zu sehr ärgern (Dragon Age mit seinen 1000 DLCs oder BC2 mit dem VIP-Code), dann kaufe ich eben ein anderes Spiel.

Diese Geldgeilheit ist ja nicht zum aushalten.

Ich weiß, dass das auf der PS3 einfacher ist als auf der 360, weil die nicht versuchen anhand der IP zu prüfen, ob man den Account wirklich im richtigen Land benutzt. Das mit dem AT-Shop für deutsche Uncut-Spiele ist ja auch immer so eine Sache, es gibt ja oft nur eine einzige deutschsprachige Version, die dann auch für den gesamten deutschsprachigen Raum herhalten muss.

Dass man eben nicht mehr von Publishern kauft, die nerven, wurde schon so oft gesagt und trotzdem geht das alles noch weg wie warme Semmeln. Tja.

Du willst es doch auch!