Raubkopierer sind Verbrecher, haben kleine Geschlechtsteile, schlafen unter Brücken, fressen kleine Kinder, sind dumm und hässlich, stinken, haben Filzläuse und sind allgemein auch total scheiße

Fire Dancers
(Fire Dancers von Flickr-User Ottoman42)
So, das musste mal gesagt werden. Ihr seid Wichser. Ihr holt euch Zeug für umsonst, das ihr euch eigentlich kaufen müsstet. Ich verabscheue euch. Leute die Raubkopien verteufeln wollen sagen immer: “Ihr würdet doch auch kein Auto stehlen.” und ihr antwortet dann: “Doch, wenn es innerhalb von Sekunden ohne Materialaufwand zu vervielfältigen wäre, hätten wir alle total geile Bonzenschlitten, weil wir sie ja umsonst bekommen würden.” und ihr seid damit alle total kurzsichtig und doof. Ihr vergesst die abertausende von Mannstunden die in so einem Auto alleine in der Entwicklung stecken, von Ingenieuren, die den Unterhalt ihrer alten Frau und der drei gemeinsamen Kinder und das Fressen und den Brilliantring der neuen Frau (natürlich ohne Kinder) bezahlen müssen. Die Zeiten, in denen Produkte noch in Materialaufwand gemessen werden konnten sind seit dem 5. Jahrtausend vor Christus vorbei, denn so ein Rad war viel mehr als nur das Gewicht des zerkloppten Steines. Und noch viel mehr muss man das bei Videospielen sagen. Videospiele haben einen Materialaufwand von 10 Cent für die Silberscheibe und die Plastikpackung drumherum, dann noch 5 Cent für die Computer der Entwickler auf die einzelne Einheit runtergebrochen und wir lande bei dem Preis eines Kaugummis. Wenn man aber noch alles dazurechnet, was keinen direkten, materiellen Gegenwert bringt, also die Gehälter der Entwickler, Programmierer, Grafiker und Putzfrauen, die an so einem Spiel beteiligt sind, landen wir bei ungefähr den 40 bis 50€, die euch der Blödmarkt dafür abknöpft.

Die Spieleindustrie wird davon härter getroffen als alle anderen Medienunternehmen: Musiker verdienen ihr Geld eh mit den Auftritten (mit CD-Verkäufen bezahlt man nur das Plattenlable, von daher: Zieht euch Musik so viel ihr wollt, aber geht auf die Konzerte), Filmemacher können ihr Produkt gefühlte dreitausend Mal wiederverwerten (Kino, DVD, Download, Verleih, Pay-TV, Free-TV, Wiederholungen) und kriegen außerdem zum Teil noch Zuschüsse von irgendwelchen Filmförderfonds. Nur Videospielenentwickler haben genau eine Möglichkeit an ihren Produkten Geld zu verdienen: Verkauf. In wenigen Fällen kann man Spiele nach einigen Monaten oder Jahren wie die Filmindustrie zweitverwerten, indem man sie in einer Compilation1 veröffentlicht oder sie als Platinum-, Softwarepyramide- bzw. Classics-Edition neu veröffentlicht. Aber das Problem bleibt: Spiele, die nicht verkauft werden, sind ein finanzieller Misserfolg, daran gibt es nichts zu rütteln. Und zu denken, es würden weiterhin Spiele erscheinen, die ihr raubkopieren könnt, wenn niemand mehr Geld daran verdient, ist so ziemlich das dümmste, das man behaupten kann, wenn man sich die Produktionskosten eines Modern Warfare 2 oder GTA IV ansieht.

Aber. Es gibt zwei Punkte, in denen ihr Recht habt. Spiele sind hoffnungslos überteuert. Ja, das habe ich gerade wirklich gesagt. Wenn ich für erwähntes Modern Warfare 2 60€ ausgebe, dann habe ich davon 5 Stunden Spielzeit, in zwei Jahren, wenn ich es nochmal durchspielen will, nochmal genau das selbe2. Das sind 6€ pro Stunde Unterhaltung. Für ein Musikalbum, das, sagen wir mal, 30 Minuten Spielzeit hat3, bezahle ich 15€. Das sind erstmal 30€ pro Stunde Unterhaltung, aber so eine CD hört man ja öfters als einmal. Neue Alben höre ich im Laufe eines halben Jahres ungefähr 20 Mal: Die ersten fünf Mal weil sie neu sind, den Rest schmeißt mir der Shuffle auf dem MP3-Player um die Ohren. Auf einmal sind wir bei 10 Stunden für 15€, was nur noch 1,50€ pro Stunde Unterhaltung macht. Im ersten halben Jahr wohlgemerkt, es soll ja auch Musik geben die sich seit den 60ern in unseren Playlists festgesetzt hat. Ein durchschnittlicher Film, den ich drei Mal schaue, kostet mich auch etwa 15€ und geht 90 Minuten (und nach oben hin wird es hier immer offener). Das sind dann runde 3,30€ pro Stunde Unterhaltung. Das ist blöd, auch wenn man weiß, dass es dafür gute Gründe gibt: Erstens haben Spiele wie erwähnt genau eine Verwertungsphase und danach verdient man als Entwickler rein gar nichts mehr daran, zweitens gibt es da dieses niedliche Dings namens Markt. Solange der Preis von genug Leuten bezahlt wird sinkt er auch nicht. Aber das ist ein Grund und keine Ausrede. Wenn ihr kein Geld für ein bestimmtes Spiel habt: Naja, sorry, Pech gehabt.

Zweitens stimmt es, dass nicht jede Raubkopie ein entgangener Kauf ist. Natürlich raubkopiert man jede Menge Spiele, die man sich nie im Leben gekauft hätte, und dadurch entsteht genau gar kein echter Verlust, sondern nur ein gefühlter. Aber mal Hand aufs Herz: Wer hat noch nie ein Spiel mit sehr viel Spaß gespielt, ohne es gekauft zu haben? Und wer hätte eigentlich genug Geld gehabt um es sich eben doch zu kaufen und war nur zu knickerig? Eben.

Also liebe Raubkopierer, bitte bitte bitte, seid vernünftig. Wenn ihr euch mal ein Spiel runterladet, das ihr wirklich objektiv und ohne Witze nicht gekauft hättet und ihr jetzt froh seid, es nicht getan zu haben: Kein Thema, es sei euch gegönnt. Wenn ihr euch seltenst mal etwas runterladet, was ihr euch eigentlich kaufen wolltet, aber zu geizig seid: Naja, nicht schön, aber beschissen wird überall und erster Stein und so. Aber wenn ihr wirklich zu den Wichsern gehört, die noch nie Geld für ein Spiel ausgegeben haben, bloß weil sie es können: Go fuck yourself und werdet endlich vernünftig, wenn ihr keine guten Spiele bezahlt werden auch keine guten Spiele mehr entwickelt, ihr zockt auf Kosten der ehrlichen Käufer.

Die Abhandlung darüber, warum gekaufte Spiele sowieso mehr Spaß machen, folgt dann demnächst.

  1. Gibts sowas überhaupt noch?
  2. Ja, es gibt einen Multiplayermodus, den will und kann aber nicht jeder nutzen.
  3. Bewusst niedrig angesetzt, der Effekthascherei wegen.

10 Kommentare

Wenn du sagst, dass du für ein 60 € Spiel, welches 5 Stunden dauert und 2 Mal von dir gespielt wird, 6 € pro Stunde bezahlst…

Dann bezahlst du doch nach dieser Logik für ein 30 Minuten Album (15 €), welches du 2 Mal hörst 7,50 pro Stunde. Oder habe ich da die Logik nicht ganz verstanden?

Spiele: 2×5 Stunden = 10 Stunden, 60€ / 10 Stunden = 6 €/h
Musik (deine Rechnung): 2×30 Minuten = 1 Stunde, 15€ / 1 Stunde = 15 €/h
Musik (meine Rechnung): 20×30 Minuten = 10 Stunden, 15€ / 10 Stunden = 1,5 €/h
Musik (so wie du es gerechnet hast): 2×30 Minuten = 2 Stunden, 15€ / 2 Stunden = 7,5 €/h

Wo du deine Rechenkünste wieder hernimmst weiß ich nicht ;)

Sorry hab mich verrechnet. Ich meinte damit folgendes:
Für ein Musikalbum, das, sagen wir mal, 30 Minuten Spielzeit hat, bezahle ich 15€. Das sind erstmal 30€ pro Stunde Unterhaltung, aber so eine CD hört man ja öfters als einmal.

Sind doch immer noch 15€ für eine Stunde Unterhaltung ;-)

WElcher Depp zahlt eigentlich 15 (FÜNFZEHN!!!) Euro für einen Film? In meinem Kino kostet mich das zweichen 4,50 und 7,50, je nach Tag. Und das Kino ist super, aktuell und zeigt glücklicherweise auch mal die Filme, die sonst kaum irgendwo laufen aber trotzdem super sind.

Ich meinte jetzt für die Kauf-DVD, die kosten neu ja wirklich so viel. Wenn ich den Film schon im Kino gesehen hab, dann habe ich ihn eben vier Mal gesehen, dafür aber insgesamt runde 20€ hingelegt. Wenn ich ihn aber nochmal im Fernsehen sehe bezahle ich nichts dafür, außer er läuft in den öffentlich-rechtlichen, dann hab ich ja GEZ bezahlt… Nehmen wir halt einfach an, es gäbe nur DVDs, ok?

Nach einen langen, das gesamte Büro einschließenden, Diskussion muss ich die Teilweise Richtigkeit der Argumentation von Isaak eingestehen und richtigstellen, dass ich für eine Stunde CD auch nur 15€ bezahle und natürlich keine 30€. Das war ein angenommener, rein theoretischer Wert, der aber die Vergleichbarkeit krankenhaus macht. (Ja, “krankenhaus machen” ist ein in gewissen Kulturkreisen oft benutzter Ausdruck!)

Aber sowieso: Die Rechnung war doch nur zur Unterhaltung da, ihr wisst doch auch so, was ich meine.

Ja, wir wissen (zumindest ungefähr) was du meinst. Aber dein Vergleich Spiele / Musik ist, sorry, ziemlich dämlich, denn diese Äpfel Vs. Birnen-Sache hat noch nie gut funktioniert…

Ja, der Vergleich ist Müll. Vergleiche hinken ja per Definition sobald es nicht mehr nur um zählbare Dinge geht. Möglicherweise schlägt da so ein klitzekleines bisschen Polemik durch, was ich aber jederzeit abstreiten werde, wenn mich jemand darauf anspricht.

Ich bin natürlich kein Raupkopierer und schreibe jetzt nur meine Meinung zum Thema – selbst würde ich so etwas Illegales nie tun. Aber nehmen wir mal an, jemand spielt gelegentlich ganz gerne. Und nehmen wir weiterhin an, dieser Jemand spielt ein Spiel maximal 10 Stunden. Und nehmen wir weiterhin mal an, dass dieser Jemand nicht alle seiner Spiele legal bezieht, weil ihm 60€ für 10 Stunden Unterhaltung – von der er im Vornherein nicht einmal weiß, ob sie gut ist – einfach zuviel sind. Also ich kann diesen Jemand verstehen und ich bin der Ansicht, dass es zu den Aufgaben der Spieleindustrie gehört, nicht nur blöd auf die Raupkopierer zu zeigen, vor Gericht zu ziehen und rumzuheulen. Das bringt doch genauso wenig wie bei der Musikindustrie. Zeiten ändern sich nunmal und das tun sie auch jetzt und es bringt nichts, dagegen anzukämpfen. Stattdessen sollte man mitziehen und neue Felder erkunden – und die gibt es.

Ich kann mich daran erinnern, dass bei Second Life sehr viel Geld mit Firmenwerbung gemacht wurde. Und was spricht denn dagegen? Wenn GTA IV billiger wird, weil die Werbetafeln Ingame auf echte Firmen hinweisen, dann finde ich das okay so – und die, die es nicht mögen, können sich ja eine extra Version des Spiels für 60€ kaufen.Eine weitere Möglichkeit – die zur Zeit leider nicht in Betracht kommt – wäre das finanzielle Untertützen guter Spiele mit Kunstpreisen. Es gibt Preise für Bilder, Preise für Musikalben, wieso gibt es keine Preise für Videospiele? Und mit Preisen meine ich keinen Stempel einer Zeitschrift, sondern Geld.

Zu guter Letzt noch was: Die Spieleindustrie hätte sicherlich mehr Unterstützung von meiner Seite, wenn sie noch FÜR die Spieler entwickeln würde. Aber bei den meisten Entwicklern habe ich das Gefühl, dass ich als Spieler im Hintergrund stehe. Die basteln irgendeinen verbugten Crap zusammen und wundern sich dann über schlechte Wertungen. Ich will jetzt keine Namen nennen, aber Ubisoft und ElectronicArts gehen mir in dieser Hinsicht echt auf die Nerven. Vor allem für die Wii, aber auch für den PC machen die einfach zu viele halbe Sachen. Und wenn man da die Hälfte einstampfen würde und die Teams stattdessen mehr Zeit für große Projekte hätten, dann würde sicherlich auch mehr Geld über den Verkauf in die Kassen fließen.

Ich habe fertig :D

Videospiele sind den Weg aller Kunst gegangen: Sie wurden für den Massenmarkt kommerzialisiert und man fühlt sich als Käufer nur noch verarscht, aus diversen Gründen. Das ist bei nichts anders. Bücher erscheinen erstmal exklusiv in schweineteuren Paperback-Editionen, die kein Mensch braucht, DVDs kommen mit verrauschtem Bild, Mono-Ton und Raubkopierervorspännen, Spiele eben verbugt und überteuert. Das irgendwelche Inovationen bei diesem Prozess auch nicht gut ankommen ist auch keine neue Erkenntnis.

Aber ich schrieb ja auch, das ich nicht per se Raubkopien verteufeln will. Dafür gibt es sicher gute Gründe, an einigen ist auch das Biz selbst schuld, aber die ganzen Wichser, die das beinahe als Sport sehen, keinen Cent für irgendwas auszugeben, denen möchte ich am liebsten die Haut von den Eiern ziehen, eine Damenhandtasche daraus nähen und sie zwingen mit einer blonden Perücke und der Handtasche auf dem Jahrestreffen des Vereins für Schwulenhass aufzutauchen. So.

Ein guter Grund raubzukopieren ist es zum Beispiel, wenn wegen verfickt dummer Filmfirmen Scott Pilgrim erst im Januar bei uns erscheint und wir damit das letzte Land auf der ganzen Welt sind. Aber zum Glück macht das keiner. (Und es gibt ihn derzeit eh nur auf russisch mit englischer Tonspur.)

Du willst es doch auch!