RFC 1337: The metagame to rule them all

Ein RFC ist so ein Internetdingsbums und heißt ausgeschrieben “Request for comments”, auf Deutsch etwa “Bitte um Kommentare”1. In RFCs werden Standards festgehalten, die irgendjemand mal erfunden hat und von denen er denkt, dass andere auch davon profitieren können. So gibt es das Internet an sich quasi nur wegen des RFCs mit der Nummer 791, auf diese Seite wärt ihr ohne 1034 niemals gekommen und ohne 1945 könntet ihr sie nicht lesen. Diese werden als lose Idee eingereicht, schwer diskutiert, möglicherweise durch neue abgelöst und irgendwann zum de-facto Standard. Zumindest den ersten Schritt möchte ich heute auch einmal tun, denn ich hatte eine tolle Idee. Auf dem Klo, das heißt: Die Idee muss einfach gut sein. Als echter RFC wäre das Informational. Wenn es jemand zu Experimental machen würde wäre nett.

Die Grundidee

Ach, wo soll ich denn nur anfangen? Da gibt es so viel zu erzählen, so viel das ineinandergreift. Also: Ich stellte mir das absolute Meta-Game vor. Sowas wie die Achievements und die Gamerscore auf der Xbox, nur größer und Plattformübergreifend2. Mit Rollenspielelementen. Beispiel: Ich spiel auf meinem PC ein bisschen Starcraft und krieg dafür 150 Erfahrungspunkte im Bereich RTS. Dann setz ich mich an meine Xbox und spiel ein paar Minuten Halo, um 70 Erfahrungspunkte im Bereich Ego-Shooter abzustauben. Und dann hol ich mir auf meiner Wii noch 180 Jump’n'Run-Erfahrungspunket in New Super Mario Bros. Und jetzt bin ich insgesamt schon Level 3, in RTS und Jump’n'Run auch schon Level 2, in Ego-Shootern aber noch Level 1, weil ich zu wenig Halo gespielt habe. Was ich aber mit Bioshock wieder reinholen kann (wo ich dann auch gleich noch 20 Erfahrungspunkte für Rollenspiele kriege).

Der Twist

Damit das ganze nicht nur zu einem weiteren Schwanzvergleich wird müssen wir das ein wenig spannender gestalten. Wie ein Rollenspiel halt. Erstens: Anpassung des Schwierigkeitsgrades. Wenn jemand einen Ego-Shooter anschmeißt und “Leicht” wählt, obwohl er bereits Level 20 ist, dann sollte sich das für ihn genauso anfühlen wie “Schwer” auf Level 10. Und ich gehe noch weiter: Es sollte Auswirkungen auf das Spiel haben. Erwähnter Spieler auf Level 20 erhält Zugriff auf weitere Waffen oder mehr Munition. Oder sogar auf neue Level für erfahrene Spieler. Und wenn ich dank Forza Motorsport 2 schon Rennspielelevel 13 habe reagiert die Steuerung des Warthog in Halo ein klein wenig weniger träge. Weil Autofahren kann ich ja offensichtlich. Und… Und… Ihr könnt es euch wohl selber vorstellen. Millionen Beispiele. Seht ihr die Möglichkeiten?

Die Technik

Für mich als Programmierer natürlich total interessant: Die Technik. Und was soll ich sagen… das ist das allereinfachste an der Geschichte. Es ist wirklich nix anderes als ein MMORPG. Von irgendwo kommen Daten rein die dann in einer Datenbank mit angeflanschter Business-Logik gespeichert werden, mehr würde auf der Seite des Serviceanbieters nicht geschehen. Anstatt die Daten aus irgendeiner GUI (in diesem Fall: Das MMORPG, das wir sehen) kommen zu lassen bietet man eben eine Schnittstelle an. Als Entwickler sollte man jedes Spiel freischalten lassen müssen (damit nicht einfach jeder kommen und sich ein paar Erfahrungspunkte durch die API jagen kann) und die Spiele (nicht die Kopie selbst, sondern das Spiel an sich) müssen eindeutig identifizierbar sein. Eine dick verschlüsselte ID und ein Wegwerfschlüssel pro Session zum Beispiel. Da würde einem bestimmt noch viel tolleres Zeug einfallen, wenn man sich Mühe damit gibt.

Der Feinschliff

Ich könnte hier jetzt 200 Seiten vollschreiben, aber das wäre dann ein Konzept und ich würde mein eigenes Startup gründen3. Deshalb nur einige grob formulierte Gedanken. Also noch grober als bisher.

Normalisierung

Ihr wisst was passieren würde, wenn der Serviceanbieter nicht aufpasst. Entwickler würden Werbung damit machen dass man in ihrem Spiel prinzipiell 10% mehr Erfahrungspunkte macht als in den Konkurrenzprodukten. Die Konkurrenzprodukte würden das dann auch so machen, bis es sich soweit hochgeschaukelt hat dass man in Halo 17 mit einem Kill Level 20 erreichen kann. Das darf nicht passieren. Deswegen muss die Plattform analysieren, in welchem Spiel man durchschnittlich pro Stunde wie viele Erfahrungspunkte erhält, woraufhin das Spiel einen entsprechenden Modifikator erhält.

Boost

Ich bleibe bei Halo: Wenn ihr gerade nur mit einer Plasmapistole bewaffnet einen Wraith niedergemäht habt4 käme man sich natürlich arg veräppelt vor, wenn man nur die läppischen 5 Erfahrungspunkte für den Wraith bekommt. Aber durch oben genannte Anpassung der Spiele wäre es auch sehr ärgerlich, wenn der Entwickler einfach die zehnfachen Erfahrungspunkte für sowas vergibt und dann im Endeffekt alle Spieler weniger bekommen. Da kam mir die Idee des Boosts. Wenn man gerade etwas richtig cooles gemacht hat kriegt man einen Boost im entsprechenden Genre und dadurch für 24 Stunden 10% Erfahrungspunkte mehr, in allen Spielen. Boosts müssen stark limitiert sein: Einmal pro Spiel pro Woche. Oder so.

Erfahrungsschwund

Wenn man zu lange nicht spielt verlernt man natürlich schnell wieder alles. Erstens sollte das widergespiegelt werden, zweitens sollte man es keinem Entwickler aufzwängen den aus gängigen MMORPGs bekannten Endgame-Content für die hochleveligen Spieler produzieren zu müssen. Deshalb sollte jeder Spieler mit der Zeit Erfahrungspunkte verlieren. Vielleicht nach 6 Monaten wieder nichtig machen, was man bis dahin gewonnen hat. Ob dadurch alles freigespielte verlorengeht oder nicht sollte man dem jeweiligen Spieleentwickler überlassen.

Erfahrungspunkteabzug/-malus

Auf die Idee brachte mich dieser Artikel von Holger bei Polyneux. Wir wollen das Leben im Spiel wertvoller machen? Gut, packen wir den Spieler da, wo es ihm am wehsten tut: Bei seinem Stolz. Wir nehmen ihm seine Level wieder weg wenn er stirbt. Damit alle seine Freunde sehen: Hey, hier steht ein Verlierer der nach jedem zweiten Schritt abnippelt. Ich würde es mir danach zweimal überlegen jetzt blind um die Ecke zu stürmen.

Das wichtigste

Man muss es pro Spiel ausschalten können. Dadurch darf keinem Spieler ein Nachteil entstehen, das heißt standardmäßig ist alles verfügbar. Basta.

Und nun: Discuss!

  1. Und nein, ich hab das ehrlich nicht von Wikipedia, da steht nur zufällig das selbe wie hier.
  2. Plattformübergreifender, denn eigentlich sollte Live das ja auch bieten. Populäre Beispiele: Ein Kettensägenspiel, Halo 2 und… Ach nein, das wars schon.
  3. Not
  4. Und ja, das ist möglich!

Ein Kommentar

Ähm, ja. Das scheint mir doch eine sehr sinnvolle Idee zu sein.
Vergiss nur das 100-Punkte Achievement für Halo spielen beim Abwaschen, während man James Joyce liest und Hitchcocks die Vögel rückwärts sieht, nicht.

Du willst es doch auch!