Ruhige Kugel schieben

Ja, lacht nur. Bis vor Kurzem hätte ich es ja auch getan. Ich hätte mit dem Finger auf mich gezeigt und gerufen: “Ey, guckt mal, der komische dicke Kerl da in der Ecke ist doof und tritt Videospiele mit Füßen!”. Ich verstehe euren Groll gegen mich, doch ihr müsst auch mich verstehen: Ich bin jung und von hübschen Klängen und bunten Farben leicht zu beeindrucken. Deswegen finde ich Peggle toll. Aber nicht nur deswegen. Es folgt ein Erklärungsversuch. Bonuspunkte für Peggle gibt es in der B-Note, für die vielen tollen Überschriften die mir zu diesem Text eingefallen sind, einschließlich “Peggle dir einen” und “Ping Ping Ping”.
Peggle ist auf jeden Fall schonmal anders als die Anderen. Das merkt man schon am Ladebildschirm. Eine neongrüne Wiese mit dem Logo des Spieles darüber, unter dem Ladebalken stehen statt langweiliger, technischer Informationen1 wirklich wichtige Dinge wie “Großartigkeit wird gesteigert”. Im Menü wird man von einem grinsenden Einhorn begrüßt (welches, wie sich später herausstellt, Björn heißt). Im Spiel geht es dann nicht wie in den meisten Spielen um das Töten von Dingen, das abstrahierte Töten von Dingen oder das Zerstückeln von außerirdischen Dingen mit Kettensägen an Maschinengewehren. Peggle ist quasi ein umgedrehter Flipper: Von oben herab schießt man eine Kugel in ein Feld aus bunten Steinen, wenn man diese berührt lösen sie sich kurz darauf in Luft auf. Klingt simpel? Ist es auch. Klingt nach unberechenbarem Glücksspiel? Ich würde meinen Allerwertesten drauf verwetten.
Peggle verlangt dem Spieler nicht viel ab. Man hat einen Plan, führt den aus so gut es geht und wenn man Glück hat funktioniert der auch. Besser werden kann man in Peggle eigentlich nur in der Hinsicht, dass man lernt, die eigenen Pläne nach ihrer Realistischkeit2 zu ordnen und eine Wahrscheinlichkeit-Nutzen-Rechnung aufzustellen. Spannend, so weit man davon sprechen kann, sind nur die Herausforderungen: 300.000 Punkte in einem Level, Level mit nur einer Kugel abschließen, 10 Level ohne zwischendurch zu versagen. So Zeug. Da sollte sich man schon vorher überlegen, mit welchem der Charakterer man spielt, von denen es immerhin zehn Stück gibt, die alle mehr oder weniger mächtige Fähigkeiten haben. Aber Anspruch erwarte ich von Peggle gar nicht.
Ebensowenig wie einen hohen Puls. Im Gegenteil: Peggle treibt einen fast in den Scheintod. Weder Herzschlag noch Hirnfrequenz messbar. Peggle beruhigt auf unglaubliche Art und Weise, mit seinem simplen, absolut nicht fordernen Spielprinzip, den bunten Farben, der Fahrstuhlmusik. Peggle ist das Baden bei Kerzenlicht mit einem Glas Wein und einem guten Buch für Gamer. Man kommt einfach mal runter. Weil man Peggle einfach nicht böse sein kann. Versagt? Das war Pech, keine Unfähigkeit, versuch es einfach noch einmal. Doch trotzdem oder gerade deswegen kann man einfach nicht aufhören. Man spielt halt einfach so vor sich hin, ist nie wirklich gefrustet, aber auch nie so geflashed, das man jetzt aufhören muss3.
Der Suchtfaktor von Peggle ist das genaue Gegenteil von, zum Beispiel, Geometry Wars, welches ja auch nicht gerade mit dem komplexesten Spielprinzip ausgerüstet daherkommt. Während das eine komprimiert möglichst viel Action pro Sekunde zu bieten versucht ist das andere ein Ruhepol auf der Konsole. Das eine ist Koks, das andere ist Morphium. Aber den reinen Kokser werde ich wohl nicht vom Morphium überzeugen können. Ich pfeif mir einfach beides je nach Stimmung rein.

Ein Kommentar
Jay
5. Dezember 2009
18:25
jaja peggle :D peggle und ein glas Rotwein passen auch ganz gut zusammen! =) habs ausprobiert !