Schockierend!
Wie ich mittlerweile schon aus vielen Quellen erfahren habe – dieser Beitrag sei beispielhaft gesehen – berichtete die Computer Bild Spiele darüber, dass Ubisoft ihnen nur dann ein Testmuster von Assassin’s Creed II schicken werde, wenn sie ihnen eine Top-Bewertung garantieren können. Das betreffende Magazin lese ich nicht, aus dem selben Grund weswegen ich auch den großen Bruder Computer Bild und den Vater BILD selbst nicht lese. Dass ein solches Verhalten nicht in Ordnung ist brauchen wir hier nicht zu diskutieren. Bestechung ist ja immer doof, per Definition, deswegen wird das ja auch nicht wenig bestraft blablabla. Ich will hier nicht sagen “Typisch BILD”, aber ich muss sagen: Über was regt ihr euch alle so auf?
Bestechung ist im Journalismus allgemein und im Spielejournalismus speziell schon immer Gang und Gäbe. Er wird nur nicht so genannt, weil das ja böse ist, sondern das nennt man dann “Werbekunden”. Gib mir eine schlechte Bewertung und ich schalte bei dir keine Werbung mehr. Das funktioniert, solange eine Zeitschrift von Werbung abhängig ist und ja, alle Magazine auf toten Bäumen sind von Werbung abhängig. Müsstet ihr die Gehälter der Redakteure, die Auslandsreisen, die Büroausstattung und den goldenen Swimmingpool mit den Haien mit Lasern an den Köpfen bezahlen würdet ihr euch weder eure Tageszeitung noch den Wachturm leisten können. Das wird schon seit dem Buchdruck so gemacht. Nein, genau genommen haben wahrscheinlich sogar die Kopiermaschinenmönche vorher schon Geld dafür gekriegt, gotteslästerliche und landesfeindliche Passagen aus ansonsten guten Büchern zu ändern.
Und dieses Geschacher mit Rezensionsexemplaren für Bewertungen… hört außer mir irgendjemand den Podcast von AreaGames? Nein? Dachte ich mir. Jedenfalls: Ich glaube Daniel Pook1 war es, der sich von weiß-nicht-mehr-welchem Publisher verarscht gefühlt hat, weil er für ich-glaube-zumindest MagnaCarta II mit den Riesentitten auf dem Cover kein Rezensionsexemplar gekriegt hat, weil sie dem letzten Spiel eine schlechte Bewertung gegeben haben. So what?
Also: Haltet einfach die Klappe und ertragt es, dass schon immer bestochen wird. Lobt lieber mal Ubisoft dafür dass sie endlich mal die Eier in der Hose haben und es offen zugeben. Und hebt jetzt nicht die Computer Bild Spiele in den Märtyrerhimmel mit den 97 Jungfrauen. Die sind auch nicht besser, die klagen nur ihre eigenen Fehler an. Typisch BILD.
Nachtrag
OK, weil ich in den Kommentaren und per Mail immer wieder für die selben Fehler kritisiert werde für die ich mich schon entschuldigt habe und die hier nicht mehr zur Diskussion stehen, außer jemand hat noch etwas neues dazu beizutragen:
- Ich will nicht sagen dass das jeder tut, klar gibt es auch nette Menschen. Ich will nicht per se jedem Journalisten unterstellen, dass er böse ist, nur denen, die sich jetzt getroffen fühlen. Der Rest darf gerne weiter fröhlich leben. Ich persönlich kenne übrigens keine Journalisten die solche Wichser sind, dass ich es ihnen von Grund auf unterstellen würde. Nur manche sind Wichser genug dass ich es für möglich halte.
- Ich bin kein Experte für die Finanzierung einer Zeitschrift, ich weiß das alles nur vom Hörensagen von Leuten von denen ich dachte die wüssten das und habe mittlerweile schon Gegenargumente von jemandem bekommen, der das eigentlich auch wissen müsste. Da ich den einen aber nicht für vertrauenswürdiger halten kann als den anderen (was nicht heißt dass ich sie für nicht vertrauenswürdig halte) kann ich da leider nix zu sagen.
- Ich wollte ganz bestimmt nicht sagen dass solches Verhalten in Ordnung ist, sondern dass sich bitte niemand über einen Einzelfall so dermaßen empören soll, sondern über das Vorgehen an sich.
- Ich will nicht sagen dass die Computer Bild Spiele irgendwas falsch gemacht hat. Ich finde es mutig sich gegen so etwas zu wehren, aber ich sehe trotzdem keinen Grund bei ihnen nicht genauso misstrauisch zu sein wie bei jedem anderen Magazin. Und nein, nicht nur weil es der Springer-Verlag ist.
Und wenn jemand nur zu sagen hat was in diesen Punkten schon gesagt wurde (oder seine Argumente sogar mit meinen Rechtschreibfehlern unterstreichen will, was ich, nun ja, absolut dummbeutelig finde) und mich möglicherweise auch noch persönlich angreift werde ich es ignorieren oder sogar von hier löschen. Ich weiß, das ist nicht nett, aber einige von euch finde ich auch nicht sehr nett. Bleibt einfach fair und sachlich und lest was ich zu der Sache schon gesagt habe und wir sollten gut miteinander auskommen. Ich will ja eigentlich auch nur meinen Frieden und ein paar nette Menschen unterhalten. Freunde?
- Das ist der Betrunkene mit der Mädchenstimme, für die, die die Namen nicht kennen. ↩

29 Kommentare
Jay
10. November 2009
16:23
jetzt kommt endlich raus, wien mario-galaxy damals agme-of-the-year werden konnte!!!!!
Pascal
10. November 2009
17:13
Hab ich nie gespielt, aber das soll doch so ähm… wirklich gut sein.
Jonas
11. November 2009
09:44
Naja, das Problem gab es in der Vergangenheit schon öfter. Die einzige Zeitschrift, die ich kenne, die von sich behaupten kann da nicht mitzuspielen ist die GEE. Die hat nämlich keine Bewertungen und beschreibt die Spiele eher wie in einer Filmrezension. Was auch gut ist, man stelle sich mal vor es gäbe jeden Monat Filmzeitschriften, in denen Casablanka wegen “schlechter Grafik” inzwischen auf 74% abgewertet wurde…
Wortvogel
11. November 2009
10:02
Entschuldigung, aber das ist gröbster Unfug. Weil Unrecht als “normal” empfunden wird (was es natürlich nicht ist – nur ein kleiner Kreis von Publishern versucht solche Aktionen), ist es noch lange nicht in Ordnung. Jeder bescheißt doch die Steuer, na und? Jeder Politiker ist doch bestechlich, na und? Jeder Artikel in der BILD ist doch erstunken und erlogen, na und? Mit so einer fatalistischen Weltsicht liegt man voll neben der Spur. Wie krank ist es denn, den korrupten Publisher zu loben, und den aufdeckenden Journalisten (ja, er ist einer, wenn er von C-BILD kommt) zu verspotten? Ich ahne schon die Konsequenz: wirklich ehrliche Spieletests gibt es nur bei Bloggern und in Foren, gedruckte Games-Zeitschriften sind sowieso tot, alles scheiße außer Mutti. Blah, blah, und nochmals blah.
Pascal
11. November 2009
11:08
Ich hab nie gesagt dass das in Ordnung ist. Ich finde es nur lächerlich sich jetzt so darüber aufzuregen. Ist wie mit den hungernden Kindern die alle halbe Jahr mal in die Kamera gehalten werden, was dann jeder so traurig findet.
Tharben
11. November 2009
11:18
Gratulation! Du wurdest heute vom ehrenwertem bildblog.de verlinkt, weswegen ich hier bin.
Was gibt es für Lösungsvorschläge? Nur noch auf Reviews von Onlinemagazinen oder gleich auf Non-Profit-Sites setzen?
Pascal
11. November 2009
11:26
Ja, das mit dem bildblog hab ich auch grad gesehen als ich mich über die vielen Kommentare und Besucher gewundert hab ;)
Das mit den Non-Profit-Sites find ich gut, da könnte ich nämlich mich anbieten. Aber nein, ernsthaft: Auf Blogs geb ich mittlerweile mehr als auf Fachpresse, aber man sollte beides mal gesehen haben, um sich ein Urteil bilden zu können, weil Blogs auch oft nur Hassredner sind, die einfach alles schlecht finden. Und ja, natürlich meine ich damit bestimmte Leute. ;)
skappelaht
11. November 2009
11:41
ich schätze mal das aufgrund der völlig abstrusen bewertungen in der computerbild spiele sowie natürlich auch zu anderne themen in den restlichen springermagazinen es ubisoft einfach mal mit direkter bestechung versucht hat. das kam natürlich einerseits wenig gut an andererseits hat cbs dadurch eine eins a schlagzeile die denen natürlich weit mehr bringt als ein test zu assassins creed 2 – wofür ihnen ubisoft aufgrund der grossen öffentlichkeit wahrscheinlich trotzdem ein testmuster schicken muss.
KLM-City
11. November 2009
11:53
Aaalso….wenn ein Springer-Blatt etwas “aufdeckt” ist immer erstmal Vorsicht geboten. Ich kann mir nicht vorstellen, daß es dort tatsächlich moralisch anständige Menschen gibt, die angeekelt und entsetzt, mit weit aufgerissenen Augen, starr vor Unglauben vor dem bösen UBI-Mann saßen und mit zitternder Stimmer “A.a.aber das ist doch verboten! Das darf man nicht!” sagten.
Wenn diese Art von “Werbung” ach so verbreitet ist, dann auch bei CBLÖD. Das es erst JETZT öffentlich gemacht wird, hat vermutlich nur einen Grund: UBI wollte nicht so, wie CBLÖD wollte. Moralischer Aufschrei my ass… die wollten vermutlich die Exklusivrechte haben und als man sie ihnen verweigert hat, gab es – wie bei Springermedien üblich – einen feigen Angriff von hinten zwischen die Beine. Sich über solche gängigen Praktiken nach 13 Jahren zu echauffieren ist erbärmlich.
KLM…MLK
Wortvogel
11. November 2009
12:01
@ Pascal: “Haltet einfach die Klappe und ertragt es, dass schon immer bestochen wird.” – doch, das klingt mir sehr nach in Ordnung finden. Und beleidigend ist es noch dazu. Und destruktiv zynisch. Und noch dazu unhaltbar: wo nimmst du die Aussage her, dass das schon immer so war, dass alle das machen, etc.? Kannst du das IRGENDWIE belegen?
Psycho_Napp
11. November 2009
12:08
Soso Ubisoft versucht die Computerbildspiele mit einem Jahresumsatz im zweistelligen Millionen Bereich mit einem REZENSIONSEXEMPLAR zu bestechen?
Ich sage L.O.L.
Der Gag ist: Bei Asassins Creed 2 ist die gute Wertung ja eh vorprogrammiert es ging ja nicht um “Reiten auf dem Ponyhof 16″ wo ein Bestechungsversuch angesichts der Zielgruppe der Cobispiele noch verständlich wäre :)
Gipsnacken
11. November 2009
12:26
Es wurden schon immer Hexen verbrannt. Also haltet einfach die Klappe. Lobt lieber den Papst der die Eier hat zuzugeben das da Unschuldige verbrannt werden.
Pascal
11. November 2009
12:56
@Wortvogel: Sorry dass ich hier einen privaten Blog und keine Newsseite betreibe und gerne einmal zynisch und beleidigend werde und keinerlei Nachforschungen anstelle. Schön dass du hier angepurzelt gekommen bist, ich liebe schonmal jeden Leser hier, schade wenn du wieder gehst, aber leb damit oder lies was anderes, ok? Ich hab nämlich keine Lust mich für jedes einzelne Wort zu rechtfertigen, weil es dir ja augenscheinlich nicht reicht, wenn ich das klarstelle, sondern du dich weiter an ein paar Formulierungen aufhängst.
@Gipsnacken: Ja, wenn der Papst das mal gesagt hätte wäre das alles wahrscheinlich anders gelaufen, denkst du nicht? Offene Fehler finde ich immer besser als geheimen Lobbyismus.
@Psycho_Napp: Ja, ich glaube schon dass so ein Rezensionsexemplar Macht hat. Der CBS wird es nicht egal sein ob sie den Test schon in der Novemberausgabe oder erst in der Dezemberausgabe haben, weil da dann eben viel Geld und ein Ruf dranhängen.
@KLM-City und alle anderen: Ihr dürft ja gerne rummäkeln, aber haltet euch bitte mit den Schimpfworten zurück, ich kann dafür haftbar gemacht werden was ihr hier verzapft. ;)
Dr. No
11. November 2009
13:09
“Belegen” ist bei so etwas per se eher schwierig, da es ja über informelle Wege geht (Anruf beim Chefredakteur oder Geschäftsführer, der daraufhin die Redaktion einnordet).
Aber Pascal lehnt sich durchaus nicht zu weit aus dem Fenster, wenn er mutmaßt, dass es sich um ein allgemeines und die gesamte Pressebranche umfassendes Problem handelt. Wer schon mal Einblick in den Redaktionsalltag einer Lokal- oder Regionalzeitung hatte, kennt das. Die meisten knicken bei solchen Drohungen – auch beliebt: Nichtzustellung von Pressemitteilungen oder Verweigerung von Interviewwünschen – schnell ein, nur die Platzhirsche sind dafür i.d.R. weniger empfänglich.
Das Fazit “Findet euch damit ab” finde ich indes auch ziemlich daneben. Mit Bestechung darf man sich nicht abfinden; das ist kein Kavaliersdelikt. Es bleibt jedem selbst überlassen, eine wie auch immer geartete Konsequenz daraus zu ziehen, zum Beispiel das betreffende Spiel nicht kaufen. Aber um das Problem zu erkennen und diese Konsequenz somit ziehen zu können, ist es nötig, dass sich irgend jemand öffentlich darüber aufregt.
Also: Wer “die Klappe hält”, unterstützt dieses Unwesen letztlich. Daher: Klappe auf!
Pascal
11. November 2009
13:14
@Dr. No: Ja, wie gesagt, mit dem Satz ging es mir vor allem um diesen speziellen Fall, der nun wahrlich nichts besonderes ist. Wobei ich den Fehler viel eher bei den Verlagen als den Herstellern suchen würde. Wenn ich ein Produkt verkaufen will würde ich auch alle legalen Möglichkeiten nutzen dies zu tun, würden die Verlage nicht mitziehen würde es diese Bestechlichkeit gar nicht geben. Moralisch verwerflich ist es natürlich trotzdem, hier will ich Ubisoft auch ein bisschen die Dummheit unterstellen nicht damit zu rechnen, dass daraus ein Rufschaden entstehen wird.
(Boah, ich glaube meine Fähigkeit grammatikalisch korrekte Sätze zu bilden verhält sich umgekehrt proportional zum Kommentaraufkommen. Ihr wisst was ich meine.)
Creech
11. November 2009
13:20
Dass UBI Soft auch nicht lernen kann. Die hatten doch schon bei Kane & Lynch so schlechte Presse. Das Spiel war klasse, nur das drumrum mit 4players eher unwürdig. Jetzt haben wir hier schon wieder den Ärger, was ich allerdings verstehen kann. Assassins Creed II muss im Weihnachtsgeschäft gegen viele andere Toptitel bestehen, allen voran ein Modern Warfare 2. Im Gegensatz zu diesem bekam der Vorgänger aber nur gute und nicht überragende Kritiken. Im Spieler Kopf MUSS sich jetzt durch die ersten(!) Tests festsetzen, dass das Spiel besser als sein Vorgänger ist und zu den absoluten Toptiteln gehört, sonst wird es sich schlechter verkaufen als verdient. An der Reihenfolge der Tests hängt jetzt so viel Geld, ganz ehrlich, ich kann das Gehabe UBI Soft gar nicht so negativ ankreiden. Dass diese Bestechungen jedoch bei allen Wald und Wiesen Titeln Gang und Gebe ist, kann ich hingegen nicht glauben. Im überwältigenden Teil der Berichterstattung wird die Trennung von Anzeigen und Testredaktion funktionieren. Dass muss ich einfach glauben können…
Herr Kaliban
11. November 2009
13:50
“Bestechung ist im Journalismus allgemein und im Spielejournalismus speziell schon immer Gang und Gäbe. Er wird nur nicht so genannt, weil das ja böse ist, sondern das nennt man dann “Werbekunden”. Gib mir eine schlechte Bewertung und ich schalte bei dir keine Werbung mehr. Das funktioniert, solange eine Zeitschrift von Werbung abhängig ist und ja, alle Magazine auf toten Bäumen sind von Werbung abhängig.”
Ehrlich gesagt — das ist schierer Nonsense. Bei (Print-)Spielezeitschriften macht die Werbung weniger als 20 Prozent der Erlöse aus, Einzelkunden wie Ubisoft kommen auf Anteile von weniger als 1%. Wegen der paar Kröten knickt keine Redaktion ein.
Der Werbeanteil bei den Einnahmen ist bei Webseiten, Publikumszeitschriften und Tageszeitungen sehr viel höher — ausgerechnet die Spielezeitschriften hier exemplarisch 0hervorzuheben, zeugt von blanker Unwissenheit.
DESWEGEN hat’s Ubi ja auch nicht mit der Anzeigenkeule probiert, sondern mit dem Vorenthalten eines Testmusters: sowas kommt bei leicht erregbaren Publishern im Überschwang der Gefühle schon mal vor. Da man sich aber mit einer übertriebenen Wertung mehr Sympathien verscherzt als mit einem verspäteten Test, gibt’s eigentlich wenig Grund für Redaktionen, sich dieser Art von Druck zu beugen. Meist lenken die Publisher (nach einem kurzen Konfliktgespräch) dann auch ein und geben den Test ohne Auflagen frei.
Pascal
11. November 2009
14:01
Oh, wenn sowas vom Auskenner kommt wird da wohl schon was dran sein. Hab aber auch schon von Leuten die das auch wissen sollten ganz andere Sachen gehört (Sorry, hab hier keine Quellen, war wahrscheinlich eh in einem Podcast, die immer so doof zu verlinken sind), dass weit mehr als die Hälfte des Gewinns aus Werbung kommt zum Beispiel. Ich kann mich jetzt nicht entscheiden was da vertrauenswürdiger sein soll.
Dass übertriebene Wertungen schlimmer sein sollen als verspätete Tests mag ich aber nicht so recht glauben. Wenn Standardkunde vorm Regal steht und auf Zeitschrift A steht groß sie hätten einen Test von Assassins Creed 2 und auf Zeitschrift B steht sie haben den Exklusivtest vom Baggersimulator 2010 wird Standardkunde wohl eher zu Zeitschrift A greifen, egal ob deren Bewertung gerechtfertigt ist. Ich weiß aber nicht wie groß der Anteil von solcher “Laufkundschaft” ist, bei Langzeitlesern ist das ja wieder was ganz anderes.
Wortvogel
11. November 2009
15:23
@ Pascal: Entschuldige, wenn ich deine Aussagen so nehme, wie sie hier geschrieben stehen. Persönliches Blog oder Newsseite hin oder her – halbwegs STIMMEN sollte schon, was man schreibt. Und wenn man eben behauptet, es wäre immer und überall so korrupt in der Branche, dann darf man sich nicht wundern, wenn ein Leser nachhakt, was die Grundlage dieser Behauptung ist. Es scheint: heiße Luft.
Wie Herr Kaliban (und andere) richtig bemerken: natürlich versuchen die Publisher, auf verschiedenen Wegen die Wertungen zu beeinflussen. Exklusiver Zugriff auf Material ist dabei der wichtigste (fangen wir gar nicht erst mit Pressereisen und sonstigen Zuckerln an). Wer zuerst testet, punktet (darum ja auch seit Jahren die Diskussion, inwieweit es legitim ist, Vorabversionen zu testen). Aber es steht durchaus in der Macht der Redaktion, sich davon nicht beeinflussen zu lassen. Jetzt einfach die gesamte Branche zu einem korrupten System zu erklären, UND dann auch noch zynisch “Klappe halten, ist halt so” nachzuschieben – das ist sehr mau.
Pascal
11. November 2009
16:23
Dass du mich kritisierst ist ok. Gegenüber Dr. No und Herr Kaliban hab ich ja auch Zugeständnisse gemacht. Dir gegenüber auch, schließlich habe ich noch einmal klargestellt was ich damit ausdrücken wollte. Mich stört dass du versuchst anhand von ein paar Formulierungen diese Klarstellung zu widerlegen. Ich werde den Text nicht ändern, das gehört zu meinen Prinzipien, dafür gibt es die Kommentare. Wenn dir die Zugeständnisse in den Kommentaren nicht reichen tut mir das leid, aber dann bist du hier mit der Diskussion definitiv total verkehrt. Und daran gesagt zu haben dass würde jeder tun kann ich mich nicht erinnern, nur dass es schon immer möglich ist und dass es passiert. Solltest du da was anderes rauslesen tut mir auch das leid, dann sind wir halt nicht auf einer Wellenlänge (Auch das darfst du dann hiermit als klargestellt betrachten).
Olaf
11. November 2009
16:53
Kinderkram. Lest Euch mal Automobil-Testberichte durch. Dafür werden Journalisten um die halbe Welt eingeflogen und in Luxushotels einquartiert (Beispiel Mercedes SLS: der durfte auf der berühmten Laguna-Seca-Rennstrecke in Kalifornien getestet werden).
Für die Tests gibt es natürlich keine Autos von der Stange, sondern speziell präparierte Fahrzeuge, die ohne die Mängel der Vorserien- (oder frühen Serien-) Fahrzeuge auskommen. Im Extremfall wurden solche Journalisten-Autos auch mal komplett zerlegt und von Hand neu zusammengebaut.
Die Werbe-Euros der Automobilkonzerne steuern das ihre dazu bei, dass kaum je eine Neuvorstellung ohne Titel wie “Klassenbester” oder “Preis-/Leistungssieger” aus Vergleichstests herauskommt.
Aus welchem anderen Grund sollte sonst ein Modell “Europäisches Auto des Jahres” werden, dessen Elektronik nie funktioniert hat?
Roland
11. November 2009
19:06
So weit entfernt von den Autotests ist das Ganze auch nicht.
Ich habe einen Bekannten, der Journalist ist, und sowohl frei als auch fest über Computerspiele schrieb. Das Folgende wurde mir aus erster Hand berichtet.
Dass Spieletests und Werbung oft eng verknüpft sind, ist typisch im Printspielejournalismus. Oft geschieht das in der Form “Wir schalten die Anzeige nur, wenn ihr einen redaktionellen Beitrag darüber schreibt.” Guckt mal in ein Spielemagazin und sucht, wie weit eine gegebene Anzeige von einem redaktionellen Beitrag zum gleichen Produkt entfernt ist.
Und lustige Reisen werden für die Journalisten auch eingerichtet: Ein namhafter Spielehersteller lädt Spielejournalisten zu einem mehrtägigen Event nach Dubai, wo man allen Möglichen Unsinn im Zusammenhang mit Fußball macht, unter anderem irgendwelche Sachen mit Mitgliedern eines großen deutschen Fußballvereines. Erwartet wird dann natürlich, dass über das mit dem Event verbundene Spiel positiv berichtet wird. Passiert das nicht, gibt’s böse Mails und den Ausschluß von zukünftigen Veranstaltungen dieser Art.
Bestechung, wenn auch in subtilerer Form, ist da gang und gäbe.
Herr Kaliban
11. November 2009
20:28
Guckt mal in ein Spielemagazin und sucht, wie weit eine gegebene Anzeige von einem redaktionellen Beitrag zum gleichen Produkt entfernt ist.
Gähn. Natürlich haben Spielemagazine Spieleanzeigen, aber die machen nicht mal die Hälfte des Anzeigenaufkommens aus.
Oft geschieht das in der Form “Wir schalten die Anzeige nur, wenn ihr einen redaktionellen Beitrag darüber schreibt.”
DAS gibt es in der Tat viel zu häufig im Journalismus, was allerdings noch lange nicht heißt, das damit Testwertungen erkauft werden. Aber: Im Spielejournalismus ist das Phänomen mit am schwächsten ausgeprägt, weil da die Berichterstattung über Games eh der Hauptgegenstand ist. Wenn das Spiel groß genug ist, um ein Anzeigenbudget zu haben, ist es meist auch wichtig genug, um drüber zu berichten. Ohnehin werden Anzeigen um den Release herum geschaltet, da gibt es eh Tests.
Herr Kaliban
11. November 2009
20:44
Guckt mal in ein Spielemagazin und sucht, wie weit eine gegebene Anzeige von einem redaktionellen Beitrag zum gleichen Produkt entfernt ist.
Ich habe hier gerade nur eine Spielezeitschrifte liegen, deshalb kann ich keine repräsentative Analyse machen. Kann aber jeder selber mal ausprobieren. Die Man!ac 11/2009 jedenfalls stützt die These (oder sollte ich sagen: das Vorurteil) nicht:
U1: Gay Tony-Anzeige, Seite 16 Gay-Tony-Bericht (0,5 Seiten).
U4: Fairytale Fights-Anzeige. Kein Bericht.
Seite 25: Batman-Anzeige, kein Bericht.
Seite 29: NBA2K10-Anzeige, kein Bericht.
Seite 35: GTA Chinatown-Anzeige, kein Bericht.
Seite 41: Vokabeltrainer-Anzeige, kein Bericht.
Seite 61: Power-Quiz-Anzeige, kein Bericht.
Eine Übereinstimmung, Gay Tony. Aber was beweist das? Über GTA berichtet jeder. Immer. Wegen der Leser. Egal, ob mit oder ohne Anzeige.
Generell möchte ich anfügen, dass ich’s ein bisschen ärgerlich finde, wie leichthin hier (und anderswo) mit diesen alten Bestechlichkeitsvorwürfen hantiert wird, die schlicht nicht zutreffen, auch wenn sie noch so oft wiederholt werden.
Harald Eisenmann
11. November 2009
21:51
Wenn man ein bischen nachdenkt ist die Argumentation, das durch werbefreie Zeitungen (“auf toten Bäumen”) deren Preise so steigen würden, das sie sich niemand mehr leisten kann, natürlich Quatsch. Wir bekommen das Geld nur von anderen abgenommen. Und zwar von denen, die die Werbung schalten. Wie finanzieren denn die Auftraggeber deren Werbeetats? Natürlich durch Verkäufe ihrer Produkte und Dienstleistungen. Und an wen werden die verkauft? Dreimal raten, AN UNS. Das heisst also nichts anderes als das wir alle die Werbung SOWIESO bezahlen. Ob dabei das Geld an den Medienverlag geht oder uns von der Industrie durch Verkauf von Produkten, in deren Preis die Werbung eingeschlossen ist, abgenommen wird ist nun wirklich (scheiss-)egal. Ratet mal warum Produkte für die Werbung gemacht wird im algemeinen auch wesentlich teuerer sind als unbeworbene Vergleichsprodukte. Also ich würde eine teurere werbefreie Zeitung SOFORT einer günstigeren mit Werbung vorziehen wenn dafür der Preis für alle beworbenen Produkte fällt, weil ja keine Werbekosten mehr anfallen. Dieses Prinzip gilt übrigens auch für das Privatfernsehen, das will ich nur mal gesagt haben an alle, die gerne über die GEZ Gebühren lästern.
Pascal
11. November 2009
22:30
Mal ab vom Thema: GEZ finde ich eigentlich total sinnvoll, nur wie das Geld erhoben wird und was damit passiert mag ich nicht so. Um das hier auch mal reingekritzelt zu haben.
Dass irgendwer bezahlen muss und dass das immer der Endverbraucher ist, ist mir schon klar. Der modernen Wirtschaft traue ich es aber aus reinem Pessimismus nicht zu, dass sinkende Werbekosten den Verkaufspreis fallen lassen würden. Das ganze könnte ich jetzt bestimmt wirtschaftlich erklären, aber ich hab meine steile BWL-Karriere nicht ohne Grund an den Nagel gehängt. So bleibt leider nur “weil alle doof sind” als Argument.
Aber auch wenn du Recht hast muss man das psychologisch sehen: Klar ist es logisch dass durch teure Zeitschriften ohne Werbung die Produktpreise allgemein fallen würden. Wenn man vorm Regal steht denkt man (im Sinn von “der Durchschnittskunde”) über sowas aber nur sehr eingeschränkt nach und greift nach dem Stück Papier mit dem einstelligen Preis.
jon doe
12. November 2009
02:33
Pascal: Eigentlich war der Wortvogel ja deutlich genug, aber falls es dir nicht aufgefallen ist: Du trittst vor allem den ehrlichen Leute (ja, die gibt es auch bei den Spielezeitschriften und vielleicht sogar unter Autotestern (bei letzteren bin ich unsicher)) mit deinem Geschreibsel in die Eier. Schönen Dank auch.
Pascal
12. November 2009
08:42
Vielleicht war ich nicht deutlich genug: Ich wollte nie sagen dass das jeder tut. Vielen dank meine Antworten nicht zu lesen. Und wenn noch einmal jemand etwas kritisiert was ich schon zur Kentniss genommen und für das ich mich entschuldigt habe lösch ich die Kommentare, weil es mir langsam auf den Keks geht, ok?
(Oben hab ich dazu noch mehr geschrieben, bitte zuerst lesen bevor ich dafür jetzt in Grund und Boden geflamed werde)
Mikkai
11. August 2010
08:55
Bestechungen, Schlamperei, Wegsehen.
Ob bei solch Eliten wie Fachjournalisten, Händlern, Politikern, Ämtern, Aufsichtsbehördern, Kontrollinstanzen oder der einfachen Mafia – es ist überall das Gleiche.
Wenn man den Leuten klarmachen will, das ALDI und LIDL die beste Qualität haben (weil sich immer weniger teures leisten können), dann sind deren Produkte im Test eben immer ganz hevorragend.
Oder Legehennenbatterien: Immer im Sinne des Tierschutzes, alles ok.
Oder das Konsumklima: Steigt immer.
Gentechnik: Billiger, sicherer.
Arbeitlose: Gibts immer weniger.
Die Lage im Irak: Besser geworden.
Assassin’s Creed II: Ein super Spiel.
Wahrheit ist ein beliebig wandelbarer Produkt, und die Drogensüchtigen sind der Markt.
Klar, dass die Konsumclowns mit ihrem Wikipedia-Gutglauben dass nicht sehen wollen. Ich möcht ja morgen auch nicht in einer Welt aufwachen, in der alles verkehrtherum ist.
Also gilt: Kommt Scheiss im fernsehen, dreh ich die Laustärke höher. Krieg ist Frieden.
Mikkai
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