Skatebored


(Foto: Andando in skateboard)
Vor ein paar Tagen habe ich mir den ersten Teil von skate. gekauft. Nicht nur, dass mich der Name aufregt, weil er alle Regeln der Zeichensetzung durcheinander wirft, mit seinem komischen Punkt hinten, nein, auch ganz allgemein hinterlässt es einen mehr als nur faden Beigeschmack. Als Punkt 1 wähle ich mit Bedacht den am wenigsten gewichtigen Störfaktor, um nicht sofort jedem Zufallsklicker den Spaß zu verderben1. Serverabschaltungen sind böse. Es ist schlicht und ergreifend nicht mehr möglich sich die in mühseliger Kleinstarbeit erfahrenen und zusammengeschnittenen Videos über das Webportal anzusehen. Nur noch die der Fortsetzung. Sonst würde ich hier jetzt total grob damit angeben, aber leider verbietet mir EA das. Tja.

Das zweite böse und ungleich schlimmerer Wort ist “Realismusanspruch”. Hört mal, liebe Entwickler. Wer hat euch eigentlich gesagt, dass wir Videospieler ein Erlebnis wollen, das der Wahrheit möglichst nahe kommt? Angenommen, ich würde dieses Modern Warfare 2 spielen, was ich nicht tue, dann würde ich das nicht tun, weil ich es so geil finde mir im Kampfeinsatz vor Angst fast in die Hose zu scheißen, während mir Kugeln um die Ohren fliegen und meine besten Freunde um mich herum sterben. Wäre das so würde ich sofort zur Bundeswehr marschieren und mich einschreiben2 und Deutschland am Hindukusch verteidigen gehen. Und bei skate. möchte ich eben auch nicht das auf der Packung angegebene “it’s just like being on a board.’

Würde ich das wollen wäre ich auch da draußen und würde mir in einer Halfpipe schön die Fresse am Holz glattschmirgeln statt einsam und allein in meinem Kämmerchen zu sitzen und euer Spiel zu spielen. Ich hatte ja gehofft, durch das Spiel wenigstens dieser ekligen Skater-”Ästhetik” zu entkommen. Dieses total hipp, aber trotzdem unabhängig sein wollen. Punk sein, aber nur Markenklamotten tragen. Vom Gefühl her Rapper sein, aber trotzdem Slayer3 hören. Ich glaube ja Emo ist aus dem Skatertum entstanden. Ständig ballert mich das Spiel zu mit pseudocoolen Sprüchen und Namen und Marken zu, die man wohl nur kennt, wenn man wirklich spielen will “like being on a board”.

Alle an die Wand stellen sollte man sie. Oder besser noch: Auf die Bühne stellen, mit dem Rock Band Instrumenten, vor zehntausende begeisterter Fans, und ihnen dann zurufen: “Los, seid Rockstars!”. Ich will kein gottverdammtes, ultrarealistisches Spiel. Ich will ein Spiel. Kann doch nicht so schwer sein, oder? Kann mal jemand Tony Hawk anrufen und ihm sagen, dass er seinen guten Namen für ein Kackspiel hergab, und nach Ride doch bitte einfordern soll, dass dieser als nächstes auf Pro Skater 5 stehen soll? Damit ich endlich wieder ein Skateboard-Spiel kriege bei dem ich nicht das Gefühl hab, in der Zeit die es braucht, die Steuerung zu erlernen, auch Skateboard Fahren lernen könnte.

So. Das musste raus.

  1. In Wahrheit bin ich nämlich ein total netter Videospieleonkel, der eigentlich alles gut findet, wenn es nur bunt genug ist oder Titten hat.
  2. Wobei sie mich ultimativen Wehrdienstverweigerer eh nicht nehmen wollten.
  3. Übrigens das einzige, was mich im Soundtrack wirklich überrascht hat, ansonsten das bekannte Gewäsch. Und das bekannte Gewäsch ist leider nichtmal so eingängig wie damals bei Tony Hawk’s Pro Skater 2 und 3.

3 Kommentare

Ich hole einfach das Totschlagargument dafür heraus: Nur weil du die Steuerung nicht kapierst, soll das Spiel scheiße sein? ;-)

Aber nein, Spaß beiseite und im Ernst ohne Smiley:
Nur weil du die Steuerung nicht kapierst, soll das Spiel scheiße sein?

Ich finde die Steuerung eine WOHLTAT nach dem ganzen Tony Hawk Gemurkse. Und nein, ich bin kein Skater, nie (wirklich) auf einem Board gestanden, aber es ist einfach nachvollziehbar was man da macht. Hoch-Runter = Oli. Stick drehen: Körper dreht sich. runter und schräg hoch nach rechts = Flip. Ist doch genial. Und wie ich zu Christian vorhin schrieb: Sieht kompliziert aus, ist aber, wenn man das Grundprinzip verstanden hat, wirklich INTUITIV. Heißt: ich muss keine Combos auswendig lernen sondern kann FAHREN und die Tricks dem Moment und der Situation anpassen. Find ich wirklich, wirklich gelungen umgesetzt. Hole skate (jetzt eher skate2) immer mal wieder gerne heraus.

Und sich über den Style und die Marken zu beschweren, ist bei einem Skatespiel ungefähr so daneben, wie sich bei Guitar Hero über die zu Gitarrenlastige Musik zu beschweren oder dass in COD die Waffen so echt aussehen. Seriously, so ist die Skaterszene nunmal, ein wilder Mischmasch aus Punk und HipHop und alles, was dazwischen liegt.

Disclaimer: Ich habe nichts gegen Skater. Einige meiner besten Freunde sind Skater. Und das ist auch gut so.

Ich hab auch nix gegen Skater. Nix was hilft. Muahaha. Schenkelklopfer. Nein, ernsthaft: Ich hab wirklich nix gegen sie, ich kann mich nur nicht sonderlich damit identifizieren. Dass mir diese aufgesetzte Coolness des Spiels aber an alle Ecken und Enden aufgedrängt wird (und Product Placement geht auch unauffälliger) geht mir nicht ab. Aber ja, stimmt, bei einem Skate-Spiel darf ich mich darüber wirklich nicht beschweren.

Und ich hab nie behauptet dass ich die Steuerung nicht verstehe. Ich habe durchaus ein paar Events hinter mich gebracht um jetzt behaupten zu können, dass ich die Steuerung zwar (mehr oder weniger) beherrsche, sie aber trotzdem ein großer, dampfender Haufen Hundekacke ist. Und du behauptest wirklich ich müsse bei skate. nichts auswendig lernen? Ich finde die Kombos sogar noch ein gutes Stück happiger als bei THPS, weil man mit dem Stick wild und millimetergenau in der Gegend rumfuchteln muss statt eine einfache Tastenkombination zu drücken.

@PeterPwn: Achso, ich dachte deshalb seid ihr hier. Ich wollte eigentlich morgen mein Geflame über “Stromberg – Büro ist Krieg” loslassen. (Sorry, das war zufällig bei der DVD-Box dabei, ich kann da nix für!)

Du willst es doch auch!