The cheapest trick in the world
Tricks! Billige Tricks! Noch immer werden im Sekundentakt schamlos Leute nach Strich und Faden verarscht, ohne dass sie das merken würden! Wenn man sie später fragt behaupten sie sogar, sie hätten es so gewollt! Lächerlich. Niemand kann so etwas wollen. Das ist reiner Selbstschutz vor der Reflektion, dass man bescheuert ist, weil man sich so hat hinter’s Licht führen lassen. Und ich gehöre auch noch zu den Betroffenen und hier und heute werde ich unser Problem publik machen, was sich niemand traut, aus Angst, von der Gesellschaft verstoßen zu werden. Hallo, ich heiße Pascal und ich habe ein Problem mit Fortschrittsbalken.
Fortschrittsbalken, die Geißel der Menschheit. Fortschrittsbalken lassen uns zu primitiven Tieren werden, sie schalten unser Gehirn völlig ab, lassen uns alles um uns herum vergessen. Auch wenn der Effekt für mich sogar auf dem Kindle funktioniert, der mir am unteren Bildschirmrand immer anzeigt, wie weit ich mit einem Buch schon bin und ja, tatsächlich, ich lese jetzt öfter und länger, tritt diese Versuchung am häufigsten in Videospielen auf. In seiner simpelsten und mächtigsten Form in Rollenspielen, in Form von Anzeigen, wie viele Erfahrungspunkte mir noch fehlen, um eine Stufe aufzusteigen und sowieso, auf welcher Stufe ich bin. Wer kann denn da widerstehen bis spät in die Nacht vor den Geräten zu sitzen und immer und immer wieder zu denken “Okay, ein Level noch, dann geh ich ins Bett”? Während wir früher, als Rollenspiele noch von dicken, langhaarigen Nerds mit Papier und Kugelschreiber gespielt wurden, noch abstritten, dass es uns eigentlich nur auf einen möglichst großen Level-Penis ankam, können wir dem heute fröhlich frönen und werden dabei sogar noch unterstützt. Spiele wie Diablo und Borderlands nehmen keinerlei Rücksicht auf den Teil der Spielerschaft, der sein gesamtes Sozialleben, seine Gesundheit und eine Ziege für Fortschrittsbalken opfern würde!
Doch dabei kann die Videospieleindustrie es nicht lassen, denn führende Psychologen haben erkannt, dass Fortschrittsbalken jedes Spiel retten können. Es ist ganz einfach, warum kaum noch ein Spiel ohne die viel angepriesenen “RPG-Elemente” auskommt: Hier wird schamlos eine Sucht ausgenutzt, Menschen werden bewusst ins Verderben gestürzt, zur Gewinnmaximierung! Ein Kriegsshooter kann sich nicht mehr blicken lassen, ohne uns alle drei Sekunden zu zeigen, wie viele Feinde wir schon erledigt haben, dass wir nur noch dreihundertsiebenundneunzig Granaten werfen müssen, um einen lustigen Hut freizuschalten, dass wir jetzt nicht mehr Chief Petty Uber Sergeant of Teabagging, sondern Chief Petty Uber Sergeant Of Awesome Teabagging sind.
Die schlimmste Erfindung seit der Atombombe sind die Achievements. Achievements sind auch nur getarnte Fortschrittsbalken. Achievements schreien mich an “EY, du hast erst 3 von 50 Spaß mit dem Spiel gehabt! Unternimm etwas!”, bis ich platze. Schlimmer noch, sie vergleichen automatisch mit meinen Internetfreunden, wer mehr Spaß mit dem Spiel hatte! Die schreckliche Wahrheit ist: Selbst wenn Achievements nicht von Hitler erfunden wurden, er hätte es getan, hätten wir ihn nur mal gelassen.
Doch woher kommt diese Gefahr, warum fallen wir auf so simple, offensichtliche Tricks immer wieder herein? Der Mensch ist primitiv und sehnt sich nach Aufgaben, bei denen er mit wenig Aufwand große Erfolge erzielen kann. Dabei ist es völlig egal, ob der große Erfolg irgend einen Effekt haben wird. In der Zeit, die wir mit Hochleveln verbringen, könnte man ein Mittel gegen Krebs erfinden. Das würde aber das gleiche Erfolgserlebnis (Ziel erreicht) mit weitaus mehr Aufwand (Medizin-Studium, jahrelange, harte Forschung, Entbehrungen, etc.) bedeuten, deshalb ist so ein Fortschrittsbalken ein willkommenes Ziel, um kurzfristig Glück in uns zu erzeugen. Definierte, mess- und erreichbare Ziele, ständig ins Bewusstsein gerufen, können uns sogar die langweiligste Aufgabe versüßen.
Schließt euch noch hier und heute den anonymen Grindern an. Euch kann geholfen werden.

3 Kommentare
Pascal
10. September 2011
00:59
Achievement unlocked: Artikel ohne Fußnoten geschrieben.
Sebastian
10. September 2011
13:21
Achievements killed the Big Head Mode.
Yann
29. September 2011
00:13
Achievement: You unlocked 1 lustiger Hut