Warum GameStop ein Saftladen ist

(Bild: Stef Lewandowski)
Ich gebe lieber gleich zu: Die Überschrift war reißerisch. Denn objektiv betrachtet habe ich nichts gegen GameStop. Mein kaltes Herz eines Betriebswirtschaftlers sieht ja auch vieles ein, was sie dort so treiben. Die Preise von gebrauchten Spielen zum Beispiel, die zum Teil über dem Neupreis bei Amazon (Deutschland!) liegen, aber das ist ja ok, wie gesagt, kaltes Herz eines Betriebswirtschaftlers und so. Aber subjektiv ist GameStop ein totaler Saftladen. Und das hat nichteinmal etwas mit dem Unternehmen an sich zu tun, sondern mit den Mitarbeitern, an die ich bisher so geriet. Aber so ist das im Einzelhandel nun mal: Die Mitarbeiter sind für mich das Unternehmen. Daher nun meine Lieblingsanekdoten, weswegen GameStop ein Saftladen ist.
Die Sache mit den Verboten
Als junger Pascal war ich noch dumm. Ich dachte, GameStop würde vielleicht die Coolness besitzen unter’m Ladentisch indizierte Artikel zu verkaufen. Erstens: Tun sie nicht. Zweitens, zur Klärung der Situation: Sie dürften es. Solange das Spiel nur indiziert (Gears Of War) und nicht beschlagnahmt (Dead Rising) ist und sie es nicht im Regal platzieren, sondern nur auf Anfrage verkaufen. Dass sich das wirtschaftlich wenig bis gar nicht lohnen dürfte verstehe ich, das könnte man mir nett erklären. Oder einfach “Nein” sagen. Aber, liebe Mitarbeiterin des GameStop in Kaiserslautern, man muss keinen Flamewar starten, weil ich ihnen unterstellte, verbotene Dinge zu tun, sie keine Lust habe, in den Knast zu wandern, bloß weil ich ein böses Spiel spielen will (Prototype, namentlich, welches damals nichtmal offiziell indiziert war) und sowieso und überhaupt, was mir einfiele, danach zu fragen. Sie zeigte sich übrigens auch relativ Beratungsresistent, als ich versuchte, einen Pöhlmann zu pullen1. Und deswegen ist GameStop ein Saftladen.
Die Sache mit der Moral
Ich gebe zu: Diesmal war das Recht nicht auf meiner Seite. Ich wollte etwas verhindern, das zwar rechtlich erlaubt, aber moralisch sehr verwerflich ist. Betriebswirtschaftlerherz sagt, dass das für den Laden eben Gewinn war und Gewinn immer gut ist. Und schon wieder geht es um Jugendschutz. Eine Mutter2 war mit ihrem (höchstens 12 Jahre alten) Sohn3 im Laden und wollte ein Videospiel kaufen. Dem Gespräch konnte ich eindeutig entnehmen, dass das Spiel für ihn und nur für ihn bestimmt sei und er es sich raussuchen dürfe. Wie das eben so ist hielt der kleine Sohn direkt auf die Ecke mit den blutrünstigen Schießspielen zu und erwählte Modern Warfare 2. Da die beiden an der Kasse vor mir standen musste ich die Mutter einfach fragen, ob sie das Spiel für ihren Sohn kaufe. Ja, tue sie. Ob sie denn das riesige, rote USK-Logo nicht gesehen habe. Doch, habe sie. Ob sie denn wisse, was in dem Spiel so passiere, weil ich als Erwachsener Spieler kenne es ja und wisse, dass es ein paar sehr krasse Szenen enthält. Nein, wisse sie nicht, aber ein bisschen Blut sähe ihr Sohn ja auch in den Nachrichten. Ob sie ihrem Sohn denn auch zeigen wolle, wie Soldaten ihre Gegner mit Elektroschocks foltern oder wie man als Spielfigur von einem Menschen, dem man vertraut erst angeschossen und dann bei lebendigem Leibe verbrannt wird oder wie fiese Terroristen mordend einen Flughafen stürmen und viele Zivilisten grundlos töten. Das sei ihr egal. Ob die Verkäuferin es mit ihrem Gewissen vereinbaren könne, ihr das Spiel zu geben, obwohl sie genau wisse, dass es für ihren Sohn ist. Ja, könne sie. Und deswegen ist die Mutter wahnsinnig dumm und GameStop ein Saftladen.
Die Sache mit den Versicherungen
Einmal hatte ich das Gefühl verarscht zu werden. So richtig verarscht. Ich habe schon die versteckte Kamera gesucht und nicht gefunden. Als ich eines der herumstehenden, gebrauchten Spiele bezahlen wollte fragte mich die Verkäuferin doch tatsächlich, ob ich eine Versicherung für nur 10€ abschließen will, falls der Datenträger in den nächsten zwei Jahren kaputt geht. “Eine Versicherung für 10 Euro? Für ein Spiel, das ich gerade für 7 Euro kaufe? Das selbst neu bei Amazon nur 10 Euro kostet? Hab ich nämlich gerade nochmal auf dem Handy nachgeschaut, bevor ich es hier noch überteuert kaufe.” Natürlich meinte sie genau das und ich musste sie ja doch fragen, ob sie das denn für vernünftig hält. “Ja klar ist das vernünftig, wenn du4 das Spiel einem Freund ausleihst und der macht das kaputt kriegst du sofort einen neuen Datenträger.” Also wirklich einen neuen Datenträger, der weniger wert ist als ich für die Versicherung bezahlen soll. Ja. “Entweder verarschst du5 mich oder du legst es darauf an, mich zu ärgern…” Verstand sie nicht. Ich versicherte das Spiel natürlich nicht. Und weil sie humor- und merkbefreite Verkäuferinnen haben ist GameStop ein Saftladen.
Um auch was Gutes an dem Laden zu lassen
Die Verkäuferin in Saarbrücken ist nicht nur niedlich sondern wirkt auch, als wäre sie vernünftig, mit der hatte ich aber noch nicht so viel zu tun. (Hallo Verkäuferin in Saarbrücken. Die mit den etwas kürzeren Haaren. Falls du das hier liest darfst du dich gerne bei mir melden. Und ich werde dich auch nur ganz wenig anmachen, es sei denn, ich bin tierisch betrunken, denn ich bin relativ glücklich vergeben, also findest du mal einen Nerd, der dir nicht nur auf die Titten schaut. Ich betone “nicht nur”.)
- Das Wortspiel wollte ich nicht in den Text einbauen, aber es muss einfach raus: Einen Pullmann zu pöhlen. Hihihi. ↩
- Name geändert. ↩
- Name nicht geändert. ↩
- Das finde ich ja ausnahmsweiße sympathisch, man wird bei GameStop immer geduzt. ↩
- Wenn ich von einer Verkäuferin geduzt werde duze ich auch zurück. Soviel Zeit muss sein. ↩

13 Kommentare
Konrad
3. September 2010
12:39
Großartiger Text, aber GameStop ist weit mehr als nur ein Saftladen. Es ist die Vorhölle des Videospielkaufs, dicht gefolgt von Saturn, Media Markt und Co. Hach, was würden wir nur ohne diese neuartige Erfindung Namens Internet und Online Shopping machen? Immer noch die überteuerten Preise einer Nazi-Branche zahlen, leider.
Pascal
3. September 2010
12:44
Ich schreibe einen total differenzierten Text, versuche GameStop als Unternehmen gut dastehen zu lassen, beziehe mich immer wieder darauf, dass es nur persönlich ist und dann kommst du und sagst Nazi zu ihnen.
Hihi :-)
PeterPwn
3. September 2010
13:17
Ach, ja, GameStop… sag ich lieber nix zu, wollte eh weniger Kraftausdrücke verwenden.
Jan
3. September 2010
14:28
Das große Vorbild aus Übersee wurde hierzulande irgendwie verfehlt. Mag sein, dass dies von Stadt zu Stadt unterschiedlich ist aber in anderen Ländern soll es dem HearSay-Weg nach recht gute Beratung und tolle Vorbestellerextras geben, die sich hierzulande auf weniger exklusive Giveaways beziehen. Dort treffen sich gleichgesinnte in den Läden und fachsimplen über neue Releases/Vorbestellungen und co. (Vgl. GamesWorkshop, da funktioniert das ja auch gut und seit Jahren erfolgreich). Hier hält sich das mit der Core-Audience eher auf dem Niveau einer Fifa [insert-version-here] Anspielstation, an der die 6th-Grade DropOuts rumgammeln und kleine interessierte Käufer bedrohen.
Ich hab in den letzten Jahren schon häufiger was bei GameStop vorbestellt (insbesondere während der tollen 9,99€ + 2 alte Spiele Aktionen) und mich immer über den püktlich und systematisch gebrochen Streetdate gefreut. Sobald die Ware auf Lager war, klingelte mein Telefon und ein GameStop Mitarbeiter sang mir ins Ohr das ich mein Spiel abholen könne. Eigentlich müssten die richtige Massen absetzen und könnten so auch gute Preise an Ihre Kunden durchreichen inbesondere nachdem der OnlineShop kurz nach der gamescom online gegangen ist (womit man sich mit der Filialstrategie selber ins Knie schiesst). Jedoch gibt es dort (bislang) auch keine besseren Preise.
Es lebe die freie Marktwirtschaft.
My $0.02
Yaab
4. September 2010
09:51
das mit dem kaufen von spielen in einem laden habe ich eh schon aufgegeben. entweder ebay oder gleich bei der spielegrotte bzw amazon! ^^
toller text btw!
Pascal
6. September 2010
08:47
@PeterPwn: Mehr Schimpfworte in meinen Kommentaren! Warum muss ich meine Leser eigentlich immer anstacheln? Flachstecker.
@Jan: Ja, GameStop hat es geschafft, ein Fachhändler zu sein, bei dem man das Gefühl hat, in einem Discounter zu stehen, der aber die Preise eines Fachhändlers hat. Würde auch gerne mehr von diesen “Zehner + Ramsch”-Aktionen mitmachen, aber wenn man vom Land ist passieren mit dem gesparten Geld zwei Dinge: Erstens stopft BP damit Bohrlöcher, zweitens erwärmt man ein bisschen das Klima.
@Yaab: Hmm ja, eBay ist so eine Sache. Bin da materiell ausgelegt, ich entjungfere viel zu gerne Discs, als dass ich mir Spiele gebraucht kaufen könnte. Mittlerweile kommt das meiste von TheHut oder Zavvi, dort liegen die Preise auch meist auf deutschem eBay-Niveau.
Manu
6. September 2010
19:55
Das mit der Mutter ist wirklich eine Schande und macht mich traurig und wütend.
Sarah
28. September 2010
00:02
Mein Freund und ich haben auch unsere Erfahrungen gemacht mit dem besagtem Saftladen ;D Und wir haben immer kijiji.de bevorzugt, woraus nun LEIDER ebaykleineinzeigen geworden ist. Zwar drängt uns jedes Mal die Neugierde dort doch mal nachzuschauen, aber schon nach 2 Minuten bin ich gesättigt und gehe entnervt wieder raus aus dem Laden. Da laufen auch irgendwie immer seltsame Gestalten rum oder ich hab wirklich unglaublich viel Pech, dass mir das immer passiert und mich irgendwelche seltsamen Männer anquatschen und mir dort günstigere Spiele andrehen wollen, die sie Zuhause im Schrank haben. Ich soll dann immer mal vorbei schauen *grusel*
Und jetzt kommt nochmal die richtige Frau aus mir raus: Schäm dich Bengel! Man macht nicht über Blogeinträge fremde Frauens (auch wenns nur leich ist) an xD ! Klar soweit? Du hast nen Frauchen. Hasse den Spruch “Ja gucken darf man gegessen wird zu Hause”. Oder wenn Jungs mit ihrer Freundin Hand in Hand gehen, aber mir volle Kanne auf die Beine und Titten staren. SCHÄMT EUCH! Da zeigen sich nämlich die wahren Schlampen :P
Trotzdem danke für den amüsenten Eintrag.
Tschö mit ö
Sarah
28. September 2010
00:05
Ach noch 2 Sachen die ich in aller Aufregung wegen dem attraktiven Weibchen aus Gamestop vergessen hatte.
1. Dachte ich damals auch, die würden indizierte Spiele verkaufen. Hatte nur das Glück bei Filmen in ner Videothek ;)
2. Der Orangensaft sieht lecker aus. Ich hab jetzt richtig Bock drauf.
Pascal
28. September 2010
08:36
Will hier jetzt ja keine Rechtfertigung der Männerwelt in alle Ewigkeiten formulieren, aber… ach, was soll’s, genau das tu ich jetzt: Ich hab einen Penis, ich darf das.
Peter
19. Oktober 2010
22:43
Moralschwuchtel.
Pascal
20. Oktober 2010
09:37
Wichser.
(Der Anspruch, keinen Kommentar unbeachtet zu lassen, kann manchmal echt Spaß machen.)
Johannes
26. Oktober 2010
10:31
>Oder wenn Jungs mit ihrer Freundin Hand in Hand gehen, aber mir volle Kanne auf die Beine und Titten staren.
>SCHÄMT EUCH!
Schei***, ich schäme mich jetzt wirklich. Verdammt! Auch wenn Du vermeintlich unterschwellige Anmachen über Blog-Kommentare hassen wirst: Du bist bestimmt eins von den attraktiven Weibchen, bei denen man einfach aufmerksam wird. Selbst Schuld! :P